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Capitel 14.
bleiben, leben und sterben. Das hiesse denn (spricht er,) michrechr gekennet, und durch mich auch den Vater.
8. 9. Spricht zu ihm Philippus,- Herr, zeige uns den Vaterso genüget uns. Jesus spricht zu ihm- So lange binich bev euch, und du kennest mich nicht? Philippe, wermich siehet, der siehet auch den Vater. Wie sprichst dudenn: Zeige uns den Vater.
Das ist eine sehr schöne Disputation oder Gesprach undPredigt des Herrn Christi. Denn, nachdem er ihnen viel gesagthat von seinem Vater, wie er zu ihm geben wolle, und sie auchzu ihm bringen, daß sie ihn auch sehen sollen, ja auch bereitsihn kennen und gesehen haben- da fahrt der Apostel Philippus,als etwas verständiger und scharfer, denn die andern, heraus mitder hohen Frage, damit sich allezeit die Höhesten, weisesten Leuteviel und hoch bekümmert, fleißig gesucht und geforschet haben -was doch Gott sey, und wie man Gott erkennen und erlangenmöge, aber nie keiner hat treffen können, und auch unmöglich istder Natur und menschlicher Vernunft zu treffen, wie Philippusselbst hie zeuget und zeiget, daß, wiewol er Christum gehöret vomVater predigen und sagen, doch desselben noch nie nichts überallverstanden habe, oder noch verstehe Das macht, daß crsnoch mit Vernunft fassen und durch eigene Gedancken er-langen uil.
Darum, obwohl Christus ihn allein auf sein Wort weisetund an sich hangen will, und sagt, er kenne ihn bereits und badeihn gesehen, doch Haffret es noch nicht bey ihm, sondern bekennetfrey zu, wie crs im Hergen hat, und spricht: Ach zeige uns dochden Vater, so gnüget uns. Also sollte er sagen- Du sagest unswol vom Vater, wie wir ihn kennen; hab ich) ihn docb traunmein Lebtag nie gesehen, und wüßte nichts licbers zu wünschen,denn daß ich möchte so selig seyn, und einmal ihn sehen.
Also laßt sich der liebe Apostel hören, baß er noch ist einwanckeuder, unbeständiger Glaubiger, gleichwie die andern alle,wiewol sie nicht so herausfahren. Denn er glaubet auch an Gottund hat viel von ihm gehöret. Nun er aber höret Christum sa-gen- Wenn ihr mich kennet, so kennet ihr den Vater, und jetztkennet ihr ihn, — das ist ihm gar eine fremde, unverstandigeSprache. So weit kommt er mit seinen Gedancken davon, laßtChristum da sitzen und reden, gleichwie St. Thomas droben(V. 3.) auch thut, kann schlechts nicht hassten an dem Christo,so mit ihm redet; sondern, bestechen ungeachtet, spatzieret er bey-