Druckschrift 
10 (1828)
Entstehung
Seite
132
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Capitel l4.

Ich lebe, und weiß nicht, wie lang.

Ich sterbe, und weiß nicht, wann.

Ich fahr, und weiß nicht, wohin.

Mich wundert, daß ich fröhlich bin.

So sollten die sagen, die diese Lehre nicht wollen hören, nochden Weg annehmen, und ihr Lebenlang vergeblich andere Wegesuchen. Denn also stehet und muß des Menschen Hertz, (so esohne Christo ist,) daß es immerdar hanget und pampelt in sol-chem ewigen Zweifel, Schrecken und Zagen, wenn es des Todes ge-denckt, daß es nicht weiß, wo aus, wollte gerne dem Tode undder Höllen entfliehen, und weiß doch nicht, wie, wie sie selbst mitdiesem Reim bekennen.

Aber ein Christ, als der diesen Weg kennet, und schon an-gefangen hat, daraus zu gehen, soll das Blat umwenden und fröh-lich also sagen: Da behüte mich Gott für, daß ich sollte sterbenund von hinnen fahren, und nicht wissen, wohin. Denn ich binja in Christum getaufer und glaube, daß er mein Heiland ist, undder Weg, dadurch ich gen Himmel kommen soll. Darum, ob ichwol nicht weiß, wie lange ich hier bin, oder wenn ich diesen Ma-densack ablegen soll: doch weiß ich, daß ich mit ihm ewiglich lebenwerde. Ob nun der alte Sack die Augen und alle Sinnen zu-thut, und nicht weiß, wo er bleibt, da liegt nichts an; denn ersolls auch nicht wissen noch fühlen, sondern sich auf dem Rückenzum Kirchhof tragen und unter die Erde scharren lassen, und zuPulver werden, bis so lange ihn Goit wieder auferwccken wird.Aber doch, als ein Christ, weiß ich (Gott Lob!) wohl, wo ichhinfahren und bleiben soll; denn es ist mir zugesagt durch dieTaufe und Absolution, item, im Sacrament. Darum soll einChrist nur getrost diesen Reim umkehren, und also sagen:

Ich lebe, und weiß, wie lang.

Ich sterbe, und weiß wohl, wie und wann.

(nemlich alle Tage und Stunden vor der Welt.)

Ich fahr, und weiß, Gott Lob! wohin,

Mich wundert, daß ich traurig bin.

Denn ein Christ soll ja seiner Sachen gewiß seyn, und weiler Christum hat, so hat ers alles, daß er billig soll alle Stundenin Sprüngen gehen; aber solches alles nach dem Geist und Glau-ben in Christo, damit er angefangen hat, auf diesem Wege zugehen. Denn nach dem Fleisch und leiblichen Fühlen ist es