130 Capitel 14.
aber nicht leiblich, noch leiblicher Weise. Denn da sind Auge»und Ohren zugethan, alle Sinne gefallen, Hände und Füsse ge-bunden, daß alhier mit unsern Wercken und Vermögen nichts ge-than ist. Darum ist auch hier kein Weg noch Steg, der damöge unser heissen, noch von uns erdacht oder ersehen, dieweil(wie gesagt,) alhier all unsre Vernunft aufhöret, und nichts über-all weiß noch verstehet, wie solch Gehen aus diesem Leben zu je-nem gethan ist, vielweniger weiß sie, wie und wodurch sie dazukommen soll.
Darum, wo es dazu kömmt, daß du dieses Weges gehensollt, so mußt du kurtzum aller andrer Wege keinen gedenckm,und nur weit aus den Augen und Hertzen setzen, was man dirvon Wercklehre, gutem Leben und Exempel sagt. Das magst duund sollt du wol thun, weil du nun aus Erden wandelst, daß dudich übest in feinem, züchtigem Leben, Gehorsam und Werckender Liebe gegen den Nächsten. Denn diß sind auch gute undgöttliche Wege, darauf man soll in diesem Leben immerdar fort-fahren und zunehmen. Doch, daß du nicht daraus machest denWeg, der dich aus diesem Leben übertragen soll, das ist, daß dunicht dich derselben tröstest, noch darauf verlässest, wenn du ster-ben sollt. Denn es ist je noch alles nicht Christus, der für dichgecreutziget und gestorben ist; darum soll es auch die Ehre nichthaben, so Christo allein gebührt, wie es auch nicht vermag.
Darum, wenn das Stündlein kömmt, da unser Thun undWerck aufhören muß, und wir nicht länger alhie zu bleiben ha-ben, und diese Disputation angehet: Wo nehme ich nun eineBrücke oder Steg, der mir gewiß ist, dadurch ich hinüber in je-nes Leben komme? wenn man dahin kommt, (sage ich,) so siehedich nur nach keinem Weg um, so da heissen menschliche Wegeund unser eigen Gut, heilig Leben oder Werck; sondern laß sol-ches alles zugedeckt seyn mit dem Vater Unser, und drüber gespro-chen: Vergib uns unsre Schuld w., und halte dich allein zu die-sem, der da sagt: Ich bin der Weg w. Und siehe, daß du dißWort alsdenn dir vest und tief eingebildet habest, und also, alshörtest du Christum gegenwärtig dir sagen, wie er hier zu Thomasagt: Was suchest und gaffest du nach andern Wegen? Hieher,auf mich, mußt du sehen und bleiben, und dir keinen andern Ge-dancken lassen machen, wie du mögest gen Himmel kommen;sondern alles rein ab und weit aus dem Hertzen gesetzt, und nichtanders gedacht, denn, wie ich dir sage: Ich bin der Weg. Siehenur, daß du auf mich tretest, das ist, halte dich mit vcstem Glau-