Druckschrift 
10 (1828)
Entstehung
Seite
128
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128 Capitel 14.

kennen, und wissen, wer er sey, nicht, wie dich deine Augen undSinnen weisen, sondern wie dir sein Wort ihn zeiget und für-mahlet, von der Jungfrau Maria geboren, für dich gestorben undwieder auferstanden, und zum Herrn gesetzt über alle Dinge.Da siehest du nicht allein seine Gestalt, so die Augen sehen, son-dern die Kraft und Gewalt seines Sterbens und Auferstehendund heißt jetzt nicht ein Sohn Maria und Josephs von Naza-reth, wie ihn die Jüden hielten, sondern unser einiger Herr undHeiland über alles, welches er allein zuwege bringet durch denGang seines Leidens und Todes in jenes Leben, da er wiedervom Tode auferstehet und verklaret wird, daß ihm muß Unterthanseyn alles, was im Himmel und auf Erden ist, und gewaltiglichregieret bey allen, die an ihn glauben, wider alles, was widersie ist.

Siehe, auf solche Weise will er hier sich angesehen haben,nicht also, wie die Augen sehen, daß er leiblich mit den Füssenvor ihnen gehe an einen andern Ort, eines Wegs, den sie nichtwissen, wo er hinfahrt oder bleibt, und sie also hinter ihm lasse,daß sie sich sein nichts mehr trösten können; sondern, wie er geist-lich gehet und fahret, welches er recht heißt zum Vater gehen,dadurch, daß er leidet und stirbt, und doch nicht im Tode bleibt,sondern eben dadurch dahin kömmt, daß er in sein Reich trit undherrschet, dazu, daß sie durch ihn zum Vater kommen, und er sieschütze, rette und helfe in allen Nöthen. Darum spricht er:Wer mich also ansiehet, wie ich zum Vater gehe, der hat alsoviel gesehen, daß ich den Tod leide nach meines Vaters Willen,und darnach ewiglich lebe und regiere, und also gehe ich euch vorund breche die Bahn, daß ih'r auch sollet nachfolgen. Das thueich und kein andrer, und muß es thun, sonst würdet ihr nimmer-mehr dazu kommen. Darum, so ihr solches wisset, so wisset ihrbeydes, wo ich hin will, und wisset auch den Weg, daß ich dahinkomme, und ihr mir folgen müsset, nemlich, daß ichs selbst bin,und ihr alles in mir habt, was ihr bedürfet, als der für euchstirbt, den Vater versöhnet, die Sünde tilget, den Tod verschlin-get, und also alles zu mir ziehe, daß ihr in mir alles habt.

Dieß heißt nun Christum viel anders ansehen, denn ihn alleWelt anstehet, und die Jünger selbst zuvor ihn ansahen. Dennjetzt sind die Augen geläutert durch den Glauben, und ist gar eineneue Erkenntniß. Gleich als wenn ich eines Königes Sohn ge-fangen und im Elend sehe, in einem grauen Rocke oder PilgrimsGestalt, als einen armen Mann, und nichts anders, denn für