Druckschrift 
10 (1828)
Entstehung
Seite
120
Einzelbild herunterladen
 

120 Capitel 14.

Jünger und rechte Christen seyd, müsset ihr nicht immerdar blei-ben hangen an dem Sehen und Fühlen äusserlichen Trosts, son-dern fortfahren und die Kunst lernen, (welches ist der ChristenKunst,) daß ihr ungezweifelt glaubet, daß ich euch helfen kannund will, da ihrs nicht sehen noch fühlen könnet, sondern dasWiderspiel sehet und fühlet, nemlich im Leiden und allen Nöthen,und dennoch allezeit den Trost behaltet, daß ihr Gott und michhabt, obgleich sonst alles euch absagt und entfallet.

Und hier stehest du klarlich, wie Christus von ihm selbst re-det und zeuget, daß er Gott dem Allmachtigen gleich sey, weil erwill, daß wir an ihn glauben sollen, wie wir an Gott glauben.Wo er nun nicht wahrer Gott wäre mit dem Vater, so wäre derGlaube falsch und Abgötterei). Denn des Menschen Hertz sollkurtz nicht vertrauen noch sich verlassen, ohn auf den einigenGott; was darneben vertrauen oder verlassen heißt, das ist alleseitel Abgötterey, als, daß ein Richter trauet und bauet auf seinGut, so er weiß, daß er einen Schatz hinter sich hat, darauf wirder muthig und stoltz. Ein anderer trauet irgend auf einen gu-ten Freund oder gnadigen Fürsten, und dencket, wenn alles Dingfehlet, so habe ich noch diesen zum Freunde. Solches heißt dieSchrift auch vertrauen; aber aus Menschen oder Fürsten trauen,da man aus dem Menschen einen Abgott machet, weil man ausihn trauet, stoltz und sicher wird, als hätte man Gott und alles,und dürfte keines andern.

Was nun solche und dergleichen Abgötterey ist, daran siehetund lernet man, daß die zwey, Vertrauen und Gott, zusammengehören. Wo ein Hertz ist, das sich auf etwas vertröstet undverlaßt, das ist gewißlich sein Gott, sollte es auch ein falscherGott seyn, wie es denn auch gewißlich ist, und in aller Welt ei-tel Abgott regieret (welchen Christus nennet Mammon,) bis anjenen Tag, da sich der rechte, einige, grosse Gott erzeigen wird,wie ihn St. Paulus nennet, Tit. 2, 13. Jetzt aber hangetsalles an dem grossen Abgott; wer den hat, der ist stoltz und sicher,daß er nach niemand fragt, also, daß doch kein Stoltz, noch Po-chen und Sicherheit seyn kann, es muß auf einen Gott stehen.Ist nun der Gott recht, so ist das Vertrauen auch recht undwiederum.

Nun sollte ja unser Vertrauen und Trotz (wie wir Christenund nicht von der Welt sind,) auch also auf Gott gesetzt seyn,und also stehen- Ich bin in der Welt, die ist mir seindsamt demTeufel, und mein eigen Gewissen selbst beißt und betrübt mich,