96 Borrebe auf die drey Episteln St. Iohannis.
geistlichen Stand meyne, der alle Welt mit seinem Geitz ver-schlungen und ein frey, fleischlich, weltlich Leben freventlich führet.
4. Im 3. zeiget er, daß der Jüngste Tag bald kommenwerde, und obs vor den Menschen tausend Jahr düncket seyn,ists doch vor Gott, als ein Tag; und beschreibet, wie es zugehenwerde am Jüngsten Tage, daß alles mit Feuer verzehret werdensoll. Er weissaget aber auch, daß zur selbigen Zeit die Leutegantz spöttisch seyn und nichts vom Glauben halten werden, wiedie Epicurer.
5. Summa, das erste Capitel zeiget, wie die Christenheitstehen sollte zur Zeit des reinen Evangelii; das 2. Capitel zeiget,wie sie zur Zeit des Pabsts und Menschenlehre stehen würde; dasdritte, wie hernach die Leute, beyde, Evangelium und alle Lehre,verachten und nicht glauben werden. Und das gehet jetzt in vol-lem Schwange, bis Christus kommt.
Borrede auf die drey Episteln St. Iohannis.
t. Die erste Epistel St. Iohannis ist eine rechtschaffeneapostolische Epistel und sollte billig bald nach seinem Evangeliofolgen. Denn, gleichwie er im Evangelio den Glauben treibet,also begegnet er in der Epistel denen, die sich des Glaubens rüh-meten, ohne Wercke, und lehret mannigfaltig, wie Wercke nichtaussen bleiben, wo der Glaube ist. Bleiben sie aber aussen, so istder Glaube nicht rechtschaffen, sondern Lügen und Finsterniß. Erthut aber dasselbige nicht im Treiben aufs Gesetz, wie die St.Jacob!-Epistel thut, sondern mit reitzen, daß wir auch lieben sol-len, wie Gott uns geliebet hat.
2. Er schreibet auch darinnen hart wider die Eorinther undwider den Geist des Widerchrists, der dazumal schon ansing Chri-stum zu verleugnen, daß er ins Fleisch kommen sey, welches nunallererst recht im Schwange gehet. Denn, ob man wol jetztnicht leugnet mit dem Munde öffentlich, daß Christus ins Fleischkommen sey: so leugnen sie es doch mit dem Hertzen, mit derLehre und Leben. Denn, wer durch seine Wercke und Thun willfromm und selig werden, der thut eben so viel, als der Christum