94 Worr. auf d. Ep. St. Pauli an Phil. u. d. l. Ep. St. Petri.
Borrede auf die Epistel St. Pauli an Philemon.
4. Diese Epistel zeiget ein meisterlich lieblich Exempel Christ-licher Liebe; denn da sehen wir, wie St. Paulus sich des armenOnestmi annimmt und ihn gegen seinen Herrn vertritt mit al-lem, das er vermag, und stellet sich nicht anders, denn, als sey erselbst Oneflmus, der sich versündigt habe.
2. Doch thut er das nicht mit Gewalt oder Zwang als erwol Recht hatte, sondern äussert sich seines Rechten, damit erzwinget, daß Philemon sich seines Rechten auch verzeihen muß.Eben so, wie uns Christus gethan hat gegen Gott dem Vater,also thut auch St. Paulus für Onesimum gegen Philemon.Denn Christus hat sich auch seines Rechten geäussert und mitLiebe und Demuth den Vater überwunden, daß er seinen Zornund Recht hat müssen legen und uns zu Gnaden nehmen umChristi willen, der also ernstlich uns vertritt und sich unser sohertzlich annimmt; denn wir sind alle seine Onestmi, so wirsglauben.
Vorrede auf die erste Epistel St. Petri.
1. Diese Epistel hat St. Peter zu den bekehrten Heyden ge-schrieben, und ermahnet sie, im Glauben bestandig zu seyn undzuzunehmen durch allerley Leiden und gute Wercke.
2. Im 1. Capitel starcket er ihren Glauben durch gottlicheVerheifsung und Kraft der zukünftigen Seligkeit, und zeiget an,wie dieselbige nicht von uns verdienet, sondern zuvor durch diePropheten verkündiget sey. Darum sollen sie nun im neuenWesen heilig leben und des alten vergessen, als die neu geborensind durch das lebendige, ewige Wort Gottes.
3. Im 2. lehret er das Haupt und den Eckstein, Christum,erkennen, und daß sie als rechtschaffene Priester sich selbst Gott