Druckschrift 
10 (1828)
Entstehung
Seite
93
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Vorrede auf die Epistel St. Pauli an Titum. 93

halben erregen. Darum einem Bischoffe zustehet, immer zu wa-chen und zu arbeiten am Evangelio.

2. Insonderheit aber verkündiget er im dritten und viertenCapitel die gefahrliche Zeit am Ende der Welt, darinnen das fal-sche geistliche Leben alle Welt verführen soll mit äufsirlichemSchein, darunter allerley Bosheit und Untugend ihr Wesen habe,wie wir leider jetzt sehen an unsern Geistlichen, daß die Prophe-zeyungen St. Pauli allzu reichlich erfüllet werden.

Borrede auf die Epistel St. Pauli an Titum,

1. Diß ist eine kurtze Epistel, aber ein Ausbund ChristlicherLehre, darinnen allerley so meisterlich verfasset ist, das einem Chri-sten noth ist zu wissen und darnach zu leben.

2. Aufs erste lehret er, was ein Bischoff oder Pfarrherr fürein Mann seyn soll, nemlich, der fromm und gelehrt sey, dasEvangelium zu predigen und die falschen Lehrer der Wercke undMenschengesetze zu vertilgen, welche allezeit wider den Glaubenstreiten und die Gewissen von der Christlichen Freyheit verführenin das Gefängniß ihrer Menschenwercke, als sollten sie vor Gottfromm machen, die doch kein nütze sind.

3. Im andern Capitel lehret er allerley Stände, alt, jung,Frauen, Männer, Herren und Knechte, wie sie sich halten sollen,als die Christus durch sein Sterben erworben hat zum Eigenthum.

4. Im dritten Capitel lehret er, die weltlichen Herrschaftenzu ehren und ihnen gehorchen, und zeucht abermal an die Gnade,die uns Christus erworben hat, damit niemand dencke, daß esMg sey, gehorsam seyn der Herrschaft, sintemal alle unsere Ge-rechtigkeit nichts ist vor Gott, und besihlet die Halsstarrigen undKetzer zu meiden.