86 Borrede auf die andere Epistel St. Pauli an die Corinther.
ungezwungen und ohne Gefahr grösserer Sünde gehalten haben-sonst sey besser, freyen, denn Keuschheit, die in stetiger Brunst stecket
9. Im 8. bis aufs 12. handelt er mancherley Weise, wieman die schwachen Gewissen führen und halten soll in äusserlichenSachen, als da sind Essen, Trincken, Kleider, Sacrament haben.Und wehret allenthalben, daß die Starcken nicht verachten sollendie Schwachen, sintemal er selbst, ob er wol ein Apostel sey, den-noch viel sich enthalten habe, da er wol Recht zu hatte, dazu sichdie Starcken wol fürchten mögen, dieweil vor Zeiten in Israel soviel untergegangen sind, die doch allesamt durch Wunderwerkeaus Egypten geführet sind, und macht daneben etliche Auslauffeheilsamer Lehre.
10. Zm 12. und 1Z. handelt er, wie mancherley GabenGottes sind, unter welchen doch die Liebe das beste sey, das sienicht sich erheben, sondern dienen sollen unter einander einmüthig,dieweil es ist ein Gott, ein Herr, ein Geist und alles ein, wiemancherley es auch sey.
11. Im 14. lehret er die Prediger, Propheten und Sanger,daß sie ordentlich ihre Gaben brauchen, und nur zur Besserung,nicht zu eigener Ehre, ihre Predigten, Kunst und Verstand vor-geben.
12. Im 15- strafet er die, so von der Auferstehung des Flei-sches unrecht gelehret und geglaubet haben.
13. Im letzten vermahnet er sie zu brüderlicher Hülfe in^ / zeitlicher Nahrung den Dürftigen.
Vorrede auf die andere Epistel St. Paulian die Corinther.
1. In der ersten Epistel hat St. Paulus die Corintherhart gestrafet in vielen Stücken, und scharfen Wein in die Wun-den gegossen und sie erschrecket. Nun aber, ein Apostel soll eintröstlicher Prediger seyn, die erschrockenen und blöden Gewissenaufzurichten mehr, denn zu schrecken; darum lobet er sie nun wie-derum in dieser Epistel, und geußt auch Oel in die Wunden, undthut sich wunderfreundlich zu ihnen und Heisset den Sünder mitLiebe wieder aufnehmen.