Vorrede auf die erste Epistel St. Pauli an die Corinther. 8Z
4. Allerdinge, wie es auch jetzt uns gehet. Nachdem wirden Deutschen das Evangelium eröffnet haben, von GottesGnaden, da will auch ein jeglicher der beste Meister seyn undden Heiligen Geist allein haben, gerade, als wäre das Evan-gelium darum geprediget, daß wir unsere Klugheit und Vernunftdarinnen erzeigen und Ruhm suchen sollten: daß diese Corintherwol mögen seyn ein Exempel oder Beyspiel unsern Leuten zu die-ser Zeit, welche auch wol eine solche Epistel bedürften. Es mußaber also seyn und soll dem Evangelio so gehen, daß tolleHeiligen und unzeitige Klüglinge Rotten und Aergerniß anrichten,auf daß die Bewährten (wie hier St. Paulus auch sagt) offenbarwerden.
5. Darum strafet und verdammet St. Paulus solche schäd-liche Weisheit gar ernstlich, und machet solche nasenweise Heiligenwieder zu Narren, spricht schlecht, daß sie nichts wissen vonChristo, noch von dem Geiste und Gaben Gottes, uns in Christogegeben, und sollen noch anheben zu lernen. Es müssen geistlicheLeute seyn, die es verstehen sollen. Weise seyn wollen und Klug-heit vorgeben im Evangelio, sey eben das rechte Aergerniß undHinderniß, Christum und Gott zu erkennen. Rotten und Zwie-tracht anzurichten, darzu mag die kluge Vernunft und Weisheitwol dienen, daß eitel tolle Heiligen und wilde Christen werden;aber unsern Herrn Christum mögen sie nimmermehr erkennen,sie werden denn wiederum zu Narren, und lassen sich demüthig-lich durchs einfaltige Wort Gottes lehren und führen. Solchestreibet er durch die ersten vier Capitel.
6. Im S. strafet er die grosse Unzucht deß, der seine Stief-mutter genommen hatte, und will ihn in den Bann thun unddem Teufel geben, zeiget damit an eine rechte Weise, des Banneszu brauchen, daß er mit Bewilligung der glaubigen Gemeinde ge-fället soll werden über die öffentliche Laster, wie auch Christus,Matth. 18, 17., lehret.
7. Im 6. strafet er das Hadern und Zancken vor Gerichte,sonderlich vor den Heyden und Ungläubigen, und lehret, daß sieunter einander selbst sollen die Sachen schlichten, oder Unrechtleiden.
8. Im 7. gibt er Unterricht von der Keuschheit und eheli-chem Stande lobet die Keuschheit der Jungfrauschaft, daß sie nützeseyn, des Evangelii desto baß zu warten, wie Christus auch lehret,Matth. 19., von den Keuschen, die um des Evangelii oder Him-melreichs willen keusch sind. Aber Paulus will sie ungenöthigt und