Vorrede auf die Epistel St. Pauli an die Römer. 83
also hat Christus mit uns gethan, und thut noch taglich, daß ergar viel Untugend und böser Sitten neben aller Unvollkommen-heit an uns traget und hilft ohne Unterlaß.
47. Darnach zu Beschluß bittet er für sie, lobet sie, und be-fühlet sie Gott, und zeiget sein Amt und Predigt an, und bittetsie gar säuberlich um Steuer an die Armen zu Jerusalem, undist eitel Liebe, davon er redet und damit er umgehet.
48. Das letzte Capitel ist ein Grußcapitel; aber daruntervermischet er gar eine edle Warnung vor Menschenlehren, die daneben der Evangelischen Lehre einfallen und Aergerniß anrichten,gerade, als hatte er gewißlich ersehen, daß aus Rom und durchRömer kommen sollten die verführischen, ärgerlichen Canones undDecretales und das gantze Geschwürm und Gewürm menschlicherGesetze und Gebote, die jetzt alle Welt crsauffet und diese Epistelund alle heilige Schrift sammt dem Geist und Glauben vertilgethaben, daß nichts mehr da blieben ist, denn der Abgott Bauch,deß Diener sie hier St. Paulus schilt. Gott erlose uns von ih-nen. Amen!
49. Also finden wir in dieser Epistel aufs allerreichlichste,was ein Christ wissen soll, nemlich, was Gesetz, Evangelium,Sünde, Strafe, Gnade, Glaube, Gerechtigkeit, Christus, Gott,gute Wercke, Liebe, Hoffnung, Creutz sey, und wie wir uns ge-gen jedermann, er sey fromm oder Sünder, starck oder schwach,Freund oder Feind, und gegen uns selber halten sollen; dazu dasalles mit Schriften gegründet, mit Exempeln sein selbst und derPropheten beweiset, daß nichts mehr hier zu wünschen ist. Da-rum es auch scheinet, als habe St. Paulus in dieser Epistel wol-len einmal in die Kürtze versassen die gantze Christliche und Evan-gelische Lehre, und einen Eingang bereiten in das gantze Alte Te-stament. Denn ohne Zweifel, wer diese Epistel wohl im Hertzenhat, der hat des Alten Testaments Licht und Kraft bey sich. Da-rum lasse sie ein jeglicher Christ ihm gemein und stetig in Uebungseyn. Da gebe Gott seine Gnade zu. Amen.