Druckschrift 
10 (1828)
Entstehung
Seite
82
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«2 Vorrede auf die Epistel St. Paul! an die Römer.

haben. Darnach, wenn du in das 8. Capitel kommen bist unterdas Creutz und Leiden, das wird dich recht lehren die Vorsehungim 9, 10. und 11. Capitel, wie tröstlich sie sey; denn ohne Lei-den, Creutz und Todesnöthen kann man die Versehung nicht ohneSchaden und heimlichen Zorn wider Gott handeln. Darummuß Adam zuvor wol todt seyn, ehe er diß Ding leide und denstarcken Wein trincke; darum siehe dich vor, daß du nicht Weintrinckest, wenn du noch ein Säugling bist. Eine jegliche Lehrehat ihre Maasse, Zeit und Alter.

48. Am 12. lehret er den rechten Gottesdienst, und machetalle Christen zu Pfaffen, daß sie opssern sollen, nicht Geld nochVieh, wie im Gesetz, sondern ihre eigenen Leiber mit Tödtungder Lüste. Darnach beschreibet er den äusserlichen Wandel derChristen im geistlichen Regiment, wie sie lehren, predigen, regie-ren, dienen, geben, leiden, lieben, leben und thun sollen gegenFreund, Feind und jedermann. Das sind die Wercke, die einChrist thut; denn, wie gesaget ist, der Glaube feyret nicht.

44. Am 13. lehret er das weltliche Regiment ehren und ge-horsam seyn, welches darum eingesetzet ist, obs wol die Leutenicht fromm machet vor Gott: so schaffets doch so viel, daß dieFrommen äusserlich Friede und Schutz haben, und die Bösenohne Furcht oder mit Friede und Ruhe nicht können frey Uebelsthun. Darum es zu ehren ist, auch den Frommen, ob sie wohlsein nicht dürfen. Endlich aber fasset er alles in der Liebe, undbeschleußt es in das Exempel Christi, wie der uns gethan, daßwir auch also thun und ihm nachfolgen.

45. Am 14. lehret er die schwachen Gewissen im Glaubensauberlich führen und ihrer schonen, daß man der Christen Frey-heit nicht brauche zu Schaden, sondern zu Förderung der Schwa-chen. Denn, wo man das nicht thut, da folget Zwietracht undVerachtung des Evangelii, daran doch alle Noth liegt: daß es al-so besser ist, den Schwachgläubigen ein wenig weichen, bis siestärcker werden, denn, daß allerdinge die Lehre des Evangelii sollteuntergehen. Und ist solches Werck ein sonderlich Werck der Liebe,das wol auch jetzt vonnöthen ist, da man, mit Fleischessen undanderer Freyheit frech und rauh, ohne alle Noth die schwachenGewissen zerrittelt, ehe sie die Wahrheit erkennen.

46. Am 15. setzet er Christum zum Exempel, daß wir auchdie andern Schwachen dulden, als die sonst gebrechlich sind in öf-fentlichen Sünden, oder von unlustigen Sitten, welche man nichtmuß binwerfen, sondern tragen, bis sie auch besser werden. Denn