Borrede auf die Epistel St. Pauli an die Römer. 81
haben; wiederum treibet und fordert der Geist wider das Fleisch,und will seine Lust haben. Dieser Zanck wahret in uns, so langewir leben, in einem mehr, im andern weniger, darnach der Geistoder Fleisch starcker wird. Und doch ist der gantze Mensch selbstalles beodes, Geist und Fleisch, der mit ihm selbst streite, bis ergantz geistlich werde.
39. Am 8. tröstet er solche Streiter, daß sie solch Fleischnicht verdammen, und zeiget weiter an, was Fleisches und Gei-stes Art sey, und wie der Geist kömmt aus Christo, der uns sei-nen heiligen Geist gegeben hat, der uns geistlich machet und dasFleisch in uns dampffet, und uns sichert, daß wir dennoch GottesKinder sind, wie hart auch die Sünde in uns wütet, so langewir dem Geiste folgen und der Sünde widerstreben, sie zu tödten.Weil aber nichts so gut ist, das Fleisch zu tauben, als Creutz undLeiden, tröstet er uns im Leiden durch Beystand des Geistes derLiebe und aller Creaturen, nemlich, daß, beyde, der Geist in unsseufzet und die Creatur sich mit uns sehnet, daß wir des Fleischesund der Sünden los werden. Also sehen wir, daß diese drey Ca-pitel, 6, 7, 8, auf das einige Wcrck des Glaubens treiben. dasda Heisset den alten Adam tödten und das Fleisch zwingen.
40. Am 9., 10. und 11. Capitel lehret er von der ewigenVorsehung Gottes, daher es ursprünglich fleußt, wer glauben odernicht glauben soll, von Sünden los oder nicht los werden kann,damit es je gar aus unsern Handen genommen, und allein inGottes Hand gestellet sey, daß wir fromm werden. Und das istauch aufs allerhö-heste noth; denn wir sind so schwach und unge-wiß, daß, wenn es bey uns stünde, würde freylich nicht einMensch selig, der Teufel würde sie gewißlich alle überwältigen.Aber nun Gott gewiß ist, daß ihm sein Versehen nicht fehlet,noch jemand ihm wehren kann, haben wir noch Hoffnung widerSünde.
41. Aber hier ist den freveln und hochfahrenden Geisternein Mahl zu stecken, die ihren Verstand am ersten hieher führenund oben anheben, zuvor den Abgrund göttlicher Versehung zuforschen, und vergeblich damit sich bekümmern, ob sie versehensind; die müssen sich denn selbst stürtzen, daß sie entweder verza-gen, oder sich in die freye Schantze schlagen.
42. Du aber folge dieser Epistel in ihrer Ordnung, beküm-mere dich zuvor mit Christo und dem Evangelio, daß du deineSünde und seine Gnade erkennest, darnach mit der Sünde strei-test, wie hier das 1., 2., Z., 4., .5., 6., 7., 8. Capitel gelehret
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