Druckschrift 
10 (1828)
Entstehung
Seite
80
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8V Vorrede auf die Epistel St. Pauli an die Römer.

ledig, und sie ist eines des andern los und ab. Nicht also daßdie Frau nicht möge oder nicht solle einen andern Mann neh-men, sondern vielmehr, daß sie nun allererst recht frey ist, einenandern zu nehmen, das sie vorhin nicht konnte thun, ehe sie je-nes Mannes abe war.

35. Also ist unser Gewissen verbunden dem Gesetz unterdem sündlichen, alten Menschen; wenn der getödtet wird durchden Geist, so ist das Gewissen frey und eines des andern los.Nicht, daß das Gewissen solle nichts thun, sondern nun allererstrecht an Christo, dem andern Manne, hangen und Frucht brin-gen des Lebens.

36. Darnach streichet er weiter aus die Art der Sündenund des Gesetzes, wie durch das Gesetz die Sünde sich nun baldreget und gewaltig wird; denn der alte Mensch wird dem Gesetzenur desto feinder, weil er nicht kann bezahlen, das vom Gesetzgefordert wird. Denn die Sünde ist seine Natur und kann vonihm selbst nichts anders; darum ist das Gesetz sein Tod und alleseine Marter. Nicht, daß das Gesetz böse scv, sondern, daß dieböse Natur nicht leiden kann das Gute, daß es Gutes von ihmfordere; gleichwie ein Krancker nicht leiden kann, daß man vonihm fordere Lausten und Springen und andere Wercke eines Ge-sunden.

37. Darum schleußt St. Paulus hier, daß, wo das Gesetzrecht erkennet und aufs beste gefaßt wird, da thue es nichts mehr,denn es erinnert uns unserer Sünde und tödtct uns durch diesel-bige, und machet uns schuldig des ewigen Zorns, wie das allesfein sich lehret und erfahret im Gewissen, wenns mit dem Gesetzrecht troffen wird: also, daß man muß etwas anders haben undmehr, denn das Gesetz, den Menschen fromm und selig zu ma-chen. Welche aber das Gesetz nicht recht erkennen, die sind blind,gehen mit Vermessenheit dahin, meynen, ihm mit Wercken genugzu thun, denn sie wissen nicht, wie viel das Gesetz fordert, nem-lich ein frevwillig, lustig Hertz, darum sehen sie Mosi nicht rechtunter die Augen, das Tuch ist ihnen davor gelegct und zugedecket.

38. Darnach zeiget er, wie Geist und Fleisch wider einan-der streiten in einem Menschen, und setzet sich selbst zu einemExempel, daß wir lernen, das Werck (die Sünde in uns selbstzu todten) recht erkennen. Er nennet aber beyde, den Geist unddas Fleisch, ein Gesetze darum, daß, gleichwie des göttlichen Ge-setzes Art ist, daß es treibet und fordert, also treibet und fordertund wütet auch das Fleisch wider den Geist, und will seine Lust