Druckschrift 
10 (1828)
Entstehung
Seite
79
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Borrede auf die Epistel St. Pauli an die Römer. 79

ten die übrigen Sünden und Lüste, die nach der Gerechtigkeitüberblieben, und lehret uns, daß wir durch den Glauben nichtalso gefreyet sind von Sünden, daß wir müsstg, faul und sicherseyn sollten, als wäre keine Sünde mehr. Es ist Sünde da,aber sie wird nicht zur Verdammniß gerechnet, ums Glaubenswillen, der mit ihr streitet. Darum haben wir mit uns selbstgenug zu schaffen unser Lebenlang, daß wir unsern Leib zahmen,seine Lüste todten und seine Gliedmaassen zwingen, daß sie demGeist gehorsam seyn, und nicht den Lüsten, damit wir dem Todund Auferstehung Christi gleich seyn, und unsere Taufe vollbrin-gen (die auch den Tod der Sünden und neu Leben der Gnadenbedeutet), bis daß wir gar rein von Sünden auch leiblich mitChristo auferstehen uno ewiglich leben.

32. Und das können wir thun, spricht er, weil wir in derGnade und nicht in dem Gesetz sind, welches er selbst ausleget,daß, ohne Gesetz seyn, sey nicht so viel gesaget, daß man kein Ge-setz'habe, und möge thun, was jedermann gelüstet, sondern, un-ter dem Gesetz seyn, ist, wenn wir ohne Gnade mit Gesetzes Wer-ckm umgehen. Alsdenn herrschet gewißlich die Sünde durchsGesetze, sintemal niemand dem Gesetze hold ist von Natur, dassel-bige aber ist grosse Sünde. Die Gnade machet uns aber dasGesetz lieblich: so ist denn keine Sünde mehr da, und das Gesetznicht mehr wider uns, sondern eins mit uns.

33. Dasselbige aber ist die rechte Freyheit von der Sündeund vom Gesetz, von welcher er bis ans Ende dieses Capitelsschreibet, daß es sey eine Freyheit, nur Gutes zu thun mit Lustund Wohlleben ohne Zwang des Gesetzes. Darum ist die Frey-heit eine geistliche Freyheit, die nicht das Gesetz aufhebet, sonderndarreichet, was vom Gesetz gefordert wird, nemlich Lust und Liebe,damit das Gesetz gestillet wird und nicht mehr zu treiben und zufordern hat. Gleich, als wenn du einem Lehnherrn schuldig wä-rest, und könntest nicht bezahlen, von dem möchtest du zweyerleyWeise los werden: einmal, daß er nichts von dir nähme, undsein Register zerrisse; das anderemal, daß ein frommer Mannfür dich bezahlete, und gäbe dir, damit du seinem Register genugthatest. Auf diese Weise hat uns Christus vom Gesetz frey ge-wacht. Darum ists nicht eine wilde, fleischliche Freyheit, dienichts thun solle, sondern, die viel und allerley thut, und von desGesetzes Fordern und Schuld ledig ist.

34. Am 7. bestätigt er solches mit einem Gleichniß des ehe-lichen Lebens; als, wenn ein Mann stirbst, so ist die Frau auch