76 Vorrede auf die Epistel St. Pauli an die Römer.
Glauben an Christum gelebet wird, damit die Menschen zu ih-rem eigenen Erkenntniß und Jammer geführet werden, daß siedemüthig werden und Hülfe begehren.- so thut St. Paulus auchund sahet an im l. Cap., und strafet die groben Sünden undUnglauben, die öffentlich sind am Tage, als der Heyden Sündenwaren und noch sind, die ohne Gottes Gnade leben, und spricht:es werde offenbar durchs Evangelium Gottes Zorn vom Himmelüber alle Menschen um ihres gottlosen Wesens und Ungerechtig-keit willen. Denn ob sie gleich wissen und taglich erkennen, daßein Gott sey: so ist doch die Natur an ihr selbst ausser der Gnadeso böse, daß sie ihm weder dancket noch ehret, sondern verblendetsich selbst und fället ohne Unterlaß in arger Wesen, bis daß sienach Abgöttereyen auch die schändlichsten Sünden mit allen La-stern wircket, unverschämt, und dazu ungestraft lässet an denandern.
23. Am 2. Capitel strecket er solche Strafe auch weiter aufdie, so äusserlich fromm schienen, oder heimlich sündigen, als dieJüden waren und noch alle Heuchler sind, die ohne Lust undLiebe wohl und ehrbarlich leben, und im Hertzen Gottes Gesetzfeind sind, und doch andere Leute gerne urtheilen, wie aller Gleis-ner Art ist, daß sie sich selbst rein achten, und doch voll Geitzes,Hasses, Hoffart und alles Unflaths stecken, Matth. 23, 2S. Diesind's eben, die Gottes Gütigkeit verachten und nach ihrer Hur-tigkeit den Zorn über sich häufen: also, daß St. Paulus, als einrechter Gesetzerklärer, niemand ohne Sünde bleiben lässet, sondernallen den Zorn Gottes verkündiget, die aus Natur oder freyemWillen wohl leben, und lässet sie nichts bessers seyn, denn die öf-fentlichen Sünder; ja, er spricht: Sie sind Hartmüthige und Un-bußsertige.
24. Am 3. wirfet er sie alle beyde in einen Hausen undspricht: einer sey, wie der andere, allzumal Sünder vor Gott,ohne daß die Jüden Gottes Wort gehabt, wiewol viel nicht drangegläubet haben, doch damit Gottes Glaube und Wahrheit nichtaus ist; und führet zufällig ein den Spruch aus dem ZI. Psalm,6., daß Gott gerecht bleibet in seinen Worten. Darnach kom-met er wieder darauf und beweiset auch durch Schrift, daß sie alleSünder sind, und durch Gesetzes Werck niemand gerecht werde,sondern das Gesetz nur, die Sünde zu erkennen, gegeben sey.
25. Darnach sahet er an und lehret den rechten Weg, wieman müsse fromm und selig werden, und spricht: Sie sind alleSünder und mangeln des Ruhms, den sie vor Gort haben soll-