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10 (1828)
Entstehung
Seite
75
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Borrebe auf die Epistel St. Pauli an die Römer. 7Z

schuldig ist. Denn durch den Glauben wird der Mensch ohneSünde und gewinnet Lust zu Gottes Geboten; damit gibt erGott seine Ehre und bezahlet ihm, was er ihm schuldig ist; aberden Menschen dienet er williglich, womit er kann, und bezahletdamit auch jedermann. Solche Gerechtigkeit kann die Natur,freyer Wille und unsere Kräfte nicht zuwege bringen. Denn, wieniemand ihm selber kann den Glauben geben, so kann er auchden Unglauben nicht wegnehmen; wie will er denn eine einigekleine Sünde wegnehmen? Darum ist alles falsch, Heucheley undSünde, was ausser dem Glauben im Unglauben geschiehet, Rom.14, 23., es gleiste, wie gut es mag.

19. Fleisch und Geist mußt du hier nicht also verstehen, daßFleisch alleine sey, was die Unkeuschheit betreffe, und Geist, wasdas innerliche im Hertzen betreffe; sondern Fleisch Heisset St.Paulus, wie Christus Joh. 3, 6., alles, was aus Fleisch geborenist, den gantzen Menschen, mit Leib und Seele, mit Vernunftund allen Sinnen, darum, daß es alles an ihm nach dem Fleischtrachtet: also, daß du auch den fleischlich wissest zu heissen, derohn Gnade von hohen geistlichen Sachen viel dichtet, lehret undschwatzet, wie du das aus den Wercken des Fleisches, Gal. 6,20., wol kannst lernen, da er auch Ketzerey und Haß FleischesWercke hcisset. Und Rom. 8, 3. spricht er, daß durchs Fleischdas Gesetz geschwachet wird, welches nicht von Unkeuschheit, son-dern von allen Sünden, allermeist aber vom Unglauben gesagtist, der das allergeistlichste Laster ist.

20. Wiederum auch den geistlich Heisset, der mit den aller-ausserlichsten Wercken umgehet, als Christus, da er der JüngerFüsse wusch, und Petrus, da er das Schiff führete und sischete:also, daß Fleisch sey ein Mensch, der innwendig und auswendiglebet und wircket, das zu des Fleisches Nutz und zeillichem Lebendienet, Geist sey, der innwendig und auswendig lebet und wircket,das zum Geist und zukünftigen Leben dienet.

21. Ohne solchen Verstand dieser Wörter wirst du dieseEpistel St. Pauli, noch kein Buch der heiligen Schrift nimmer-mehr verstehen. Darum hüte dich vor allen Lehrern, die anders

' diese Worte brauchen, sie seyn auch, wer sie wollen, obs gleichOrigenes, Ambrosius, Augustinus, Hieronymus und ihres glei-chen und noch höhere waren. Nun wollen wir zur Epistel greiffen.

22. Dieweil einem evangelischen Prediger gebühret, am er-sten durch Offenbarung des Gesetzes und der Sünden alles zustrafen und zu Sünden zu machen, das nicht aus dem Geist und