Vorrede auf die Epistel St. Pauli an die Römer. 73
und Lust bringet zu guten ausserlichcn Wcrcken, also sündiget al-lein der Unglaube und bringet das Fleisch auf und Lust zu bösen,Ausserlichen Wercken, wie Adam und Heva geschah im Paradies.1. Mos. 3, 6.
12. Daher Christus allein den Unglauben Sünde nennet,da er spricht, Joh. IS, 8. 9.- Der Geist wird die Welt strafenum die Sünde, daß sie nicht glauben an mich. Darum auch,ehe gute oder böse Wercke geschehen, als die guten und bösenFrüchte, muß zuvor im Hertzen da seyn Glaube oder Unglaube,als die Wurtzel, Saft und Hauptkrast aller Sünde, welches inder Schrift auch darum der Schlangen Kopf und des alten Dra-chen Haupt Heisset, den des Weibes Saamen, Christus, zertretenmuß, wie Adam verheissen ward. 1. Mos. 3, 15.
13. Gnade und Gabe sind des Unterscheides, daß Gnade ei-gentlich heißt Gottes Huld oder Gunst, die er zu uns tragt beysich selbst, aus welcher er geneiget wird, Christum und den Geistmit seinen Gaben in uns zu giessen, wie das aus dem 5. Cap.,V. 15 klar wird, da er spricht: Gnade und Gabe in Christo ?c.Ob nun wol die Gabe und der Geist in uns taglich zunehmen,und noch nicht vollkommen sind, daß also noch böse Lüste undSünde in uns überbleiben, welche wider den Geist streiten, wieer saget, Rom. 7, 14, Gal 5, 17. und, wie 1. Mose 3, 15.verkündiget ist, der Hader zwischen des Weibes Saamen und derSchlangen Saamen: so thut doch die Gnade soviel, daß wirgantz und für voll gerecht vor Gott gerechnet werden. Dennseine Gnade theilet und stücket sich nicht, wie. die Gaben thun,sondern nimmt uns gantz und gar auf in die Hulde, um Christiunsers Vorsprechers und Mittlers willen, und um daß in unsdie Gaben angefangen sind.
14. Also verstehest du denn das 7. Capitel, da sich SanctPaulus noch einen Sünder schilt, und doch im 8. V. 1. spricht:es sey nichts verdammliches an denen, die in Christo sind, derunvollkommenen Gaben und des Geistes halben. Um des unge-tödteten Fleisches willen sind wir noch Sünder; aber weil wir anChristum glauben und des Geistes Ansang haben, ist uns Gottso günstig und gnadig, daß er solche Sünde nicht achten nochrichten will, sondern nach dem Glauben in Christo mit uns fah-ren, bis die Sünde getödtet werde.
15. Glaube ist nicht der menschliche Wahn und Traum,den etliche für Glauben halten, und wenn sie sehen, daß keineBesserung des Lebens noch gute Wercke folgen, und doch vom