Druckschrift 
10 (1828)
Entstehung
Seite
72
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72 Borrede auf die Epistel St. Pauli an die Römer.

ist, des Gesetzes Werck thun, denn, das Gesetz erfüllen. Des Ge-setzes Werck ist alles, das der Mensch thut oder thun kann amGesetze aus seinem freyen Willen und eignen Kräften. Weilaber unter und neben solchen Wercken bleibet im Hertzen Unlust 'und Zwang zum Gesetze, sind solche Wercke alle verloren undkein nütze. Das meynet St. Paulus C. 3, 20., da er spricht-Durchs Gesetzes Werck wird vor Gott kein Mensch gerecht. Da-her siehest du nun, daß die Schulzäncker und Sophisten Verfüh-rer sind, wenn sie lehren, mit Wercken sich zur Gnade bereiten.Wie kann sich mit Wercken zum Guten bereiten, der keine guteWercke ohne Unlust und Unwillen im Hertzen thut? Wie soll dasWerck Gott gelüsten, das aus einem unlustigen und widerwilli-gen Hertzen gehet?

9. Aber das Gesetz erfüllen, ist, mit Lust und Liebe seinWerck thun, und frey, ohne des Gesetzes Zwang, gottlich undwohl leben, als wäre kein Gesetze oder Strafe. Solche Lust aberfreyer Liebe gibt der Heilige Geist ins Hertz, wie er spricht Cap.S, S. Der-Geist aber wird nicht, denn allein in, mit und durchden Glauben an Jesum Christ gegeben, wie er in der Vorredesaget. So kommt der Glaube nicht, ohne allein durch GottesWort oder Evangelium, das Christum prediget, wie er ist GottesSohn und Mensch, gestorben und auferstanden um unserntwillen,wie er im 3, 2Z. und 4, 2.?. und 10. Cap., V. 9 saget.

10. Daher kommts, daß allein der Glaube gerecht machet unddas Gesetz erfüllet; denn er bringet den Geist aus Christi Verdienst.Der Geist aber machet ein lustig und frey Hertz, wie das Gesetz for-dert; so gehen denn die guten Wercke aus dem Glauben selber.Das meynet er Cap. 3, 31., nachdem er des Gesetzes Wercke ver-worfen hatte, daß es lautet, als wollte er das Gesetze aufheben durchden Glauben. Nein, (spricht er,) wir richten das Gesetze andurch den Glauben, das ist, wir erfüllens durch den Glauben.

11. Sünde Heisset in der Schrift nicht allein das äußerlicheWerck am Leibe, sondern alle das Geschäfte, das sich mit regetund webet zu dem äusserlichen Werck, nemlich des Herhcns Grundmit allen Kräften- also, daß das Wörtlcin- thun, soll hcissen,wenn der Mensch dahin fällt und fähret in die Sünde. Dennes geschieht auch kein äusserlich Werck der Sünde, der Menschfahre denn gantz mit Leib und Seele hinan. Und sonderlich sie-het die Schrift ins Hertz und auf die Wurtzel und Hauptqucllealler Sünde, welche ist der Unglaube im Grunde des Hertzens-also, daß wie der Glaube allein gerecht machet, und den Geist