Vorrede auf die Epistel St. Pauli an die Römer. 7 t
verdienet bey Gott, obgleich auswendig viel guter Wercke undehrbares Leben scheinen.
5. Daher schleustet St. Paulus, Eap. 2, 12. 13., daß dieJuden alle Sünder sind, und spricht, daß allein die Thater desGesetzes gerecht sind bey Gott, will damit sagen, daß niemandmit Wercken des Gesetzes Thater ist, sondern saget vielmehr zuihnen also, V. 22: Du lehrest, man solle nicht ehebrechen, unddu brichst die Ehe; item V. 1: Worinnen du einen andern rich-test, darinnen verdammest du dich selbst, weil du eben dasselbigethust, was du richtest. Als sollte er sagen: Du lebest äusserlichsein in des Gesetzes Wercken, und richtest, die nicht also leben,und weissest jedermann zu lehren; den Splitter siehest du in derandern Augen, aber deß in deinem Auge wirst du nicht gewahr,Matth. 7, 3.
6. Denn ob du wol auswendig das Gesetz mit Werckenhaltest, aus Furcht der Strafe oder Liebe des Lohns: so thust dudoch alles ohne freye Liebe und Lust zum Gesetz, sondern mit Un-lust und Zwang, wolltest lieber anders thun, wenn das Gesetznicht wäre. Daraus sichs schleußt, daß du von Herzensgrunddem Gesetze feind bist. Was ists denn, daß du andere lehrest,nicht stehlen, so du im Hertzen selbst ein Dieb bist, und äusserlichgerne wärest, wenn du dürftest, wiewohl auch das äusserlicheWerck die Lange nicht nachbleibet bey solchen Heuchlern. Alsolehrest du andere, aber dich selbst nicht, weissest auch selbst nicht,was du lehrest, hast auch das Gesetz noch nie recht verstanden.Ja dazu mehret das Gesetz die Sünde, wie er saget am fünftenssap., V. 2v. darum, daß ihm der Mensch nur feinder wird, jemehr es fordert, deß er keines kann.
7. Darum spricht er am 7. Cap., V. 14: Das Gesetzist geistlich. Was ist das? Wenn das Gesetze leiblich wäre, sogeschähe ihm mit Wercken gnug; nun es aber geistlich ist, thutihm niemand gnug, es gehe denn von Hertzensgrund alles, wasdu thust. Aber ein solches Hertz gibt niemand, denn GottesGeist, der machet den Menschen dem Gesetze gleich, daß er Lustzu dem Gesetze gewinnet von Hertzen, und Hinsort nicht aus
. Furcht, noch Zwang, sondern aus freyem Hertzen alles thut. Alsoist das Gesetz geistlich, das mit solchem geistlichen Hertzen will ge-liebet und erfüllet seyn, und fordert einen solchen Geist. Wo dernicht im Hertzen ist, da bleibet Sünde, Unlust, Feindschaft widerdas Gesetz, das doch gut, gerecht und heilig ist.
8. So gewöhne dich nun der Rede, daß viel ein ander Ding