Druckschrift 
10 (1828)
Entstehung
Seite
70
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70 Borrede auf die Epistel St. Pauli an die Römer.

wol angefangen, wird ers ihnen gewißlich halten. Das glau-ben sie aber nicht, bis sie es (wie die Juden) erfahren. Amen.

Vorrede auf die Epistel St. Pauli an die Römer.

1. Diese Epistel ist das rechte Hauptstücke des Neuen Te-staments und das allerlauterste Evangelium, welche wol würdigund werth ist, daß sie ein Christenmensch nicht allein von Wortzu Wort auswendig wisse, sondern täglich damit umgehe, als mittaglichem Brod der Seele. Denn sie nimmer kann zuviel undzu wohl gelesen und betrachtet werden, und je wehr sie gehandeltwird, je köstlicher sie wird und baß schmecket.

2. Darum ich auch meinen Dienst dazu thun will, unddurch diese Vorrede einen Eingang dazu bereiten, soviel mirGott verliehen hat, damit sie desto baß von jedermann verstandenwerde. Denn sie bisher mit Glossen und mancherley Geschwätzübel verfinstert ist, die doch an ihr selbst ein Helles Licht ist, fastgnugsam, die gantze Schrift zu erleuchten.

3. Aufs erste müssen wir der Sprache kundig werden, undwissen, was St. Paulus meynet durch diese Worte: Gesetz,Sünde, Gnade, Glaube, Gerechtigkeit, Fleisch, Geist und derglei-chen, sonst ist kein Lesen nütz daran.

4. Das Wörtlein Gesetz mußt du hier nicht verstehen mensch-licher Weise, daß es eine Lehre sey, was für Wcrcke zu thun oderzu lassen sind, wie es mit Menschengesetzen zugehet, da man demGesetz mit Wercken genug thut, obs Hertz schon nicht da ist.Gott richtet nach des Hertzens Grund, darum fordert auch seinGesetz des Hertzens Grund, und lässet ihm an Wercken nicht be-gnügen, sondern strafet vielmehr die Wercke, ohne Hertzens Grundgethan, als Heucheley und Lügen. Daher alle Menschen Lügnerheissen, Ps. 116, 11., darum, daß keiner aus Hertzens GrundGottes Gesetz hält, noch halten kann; denn jedermann findet beyihm selbst Unlust zum Guten und Lust zum Bösen. Wo nunnicht ist die freye Lust zum Guten, da ist des Hertzens Grund nichtam Gesetz Gottes; da ist denn gewißlich auch Sünde und Zorn