Vorrede auf das Buch Jesus Sirach, 39
Buch eines weisen Mannes gehalten, dabey wirs auch lassenbleiben.
3. Es dünckt uns aber, weil er selbst in der Vorrede beken-net, er sey zu des Königs Evergetis Zeiten in Egypten kommenund daselbst diß Buch vollendet, (welches sein Großvater zuvorhatte angefangen,) daß er habe aus vielen Büchern zusammengelesen das beste, so er funden hat, sonderlich, weil in Egypteneine köstliche Liberey war durch Evergetis Vater, den König Phi-ladelphum, zugerichtet- daß zu der Zeit, beyde, Bücher und ge-lehrte Leute in grossen Ehren waren und aus allen Landen, als ineine grosse hohe Schule zuschlugen, sonderlich aus Griechenland,dazu auch die Jüden einen Tempel daselbst baueten und Gottes-dienst aufrichteten.
4. Solches zeiget auch an, daß in diesem Buch nicht ein or-dentlich Stück auf das andere gefasset ist, als eines MeistersWcrck, sondern aus mancherley Meistern und Büchern gezogenund durch einander gemenget, wie eine Biene aus mancherleyBlumen ihr Sästlein sauget und in einander menget. Und schei-net, daß dieser Jesus Sirach sey gewest aus dem königlichenStamme Davids, und ein Neffe oder Enckel Amos Sirach,welcher der oberste Fürst gewesen ist im Hause Juda, wie manaus Philone mag nehmen, um die zwey hundert Jahr vor ChristiGeburt, ohngefahr bey der Maccabäer Zeit.
5. Es ist ein nützlich Buch für den gemeinen Mann; dennauch alle sein Fleiß ist, daß er einen Bürger oder Hausvater got-tesfürchtig, fromm und klug mache, wie er sich gegen Gott, Got-tes Wort, Priestern, Eltern, Weib, Kinder, eigenen Leib, Güter,Knechten, Nachbarn, Freunden, Feinden, Obrigkeit und jedermannhalten soll: daß mans wol möchte nennen ein Buch von derHauszucht, oder von den Tugenden eines frommen Hausherrn,welches auch die rechte geistliche Zucht ist und heissen sollte.
6. Was uns aber für Arbeit gestanden hat, diß Buch zuverdeutschen, wer das zu wissen begehret, der mag unser Deutschgegen alle andere Exemplare halten, beyde, Griechischer, Lateini-scher und Deutscher Sprachen, sie sind alt oder neu, so soll das
l Werck dem Meister wol Zeugniß geben. Es sind so viel Klüg-linge in allen Sprachen über diß Buch kommen, daß nicht Wun-der wäre, weil ohne das alle Dinge drinnen von seinem Anfangenicht in die Ordnung gefasset gewest sind, daß es gantz und garunkenntlich, unverständlich und aller Dinge untüchtig worden wäre.Wir Habens aber, wie einen zerrissenen, zertretenen und zerstreue-