Vorrebe über das Buch Tobiä. 67
nichts und ist nichts. Und das ist die vornehmste Ursach, warumdieses Buch wohl zu lesen ist, daß man Gott fürchten und trauenlerne, dazu er uns helfe mit Gnaden. Amen!
Vorrede über das Buch Tobia.
1. Was vom Buch Judith gesagt ist, das mag man auchvon diesem Buch sagen. Jsts eine Geschichte, so ists eine feine,heilige Geschichte. Jsts aber ein Gedichte, so ists wahrlich auchein recht schön, heilsam, nützlich Gedichte und Spiel eines geist-reichen Poeten. Und ist zu vermuthen, daß solcher schöner Ge-dichte und Spiele bey den Jüden viel gewest sind, darinnen siesich auf ihre Feste und Sabbathe geübt, und der Jugend also mitLust Gottes Wort und Werck eingebildet haben, sonderlich da siein Frieden und Regiment gesessen sind. Denn sie haben gartreffliche Leute gehabt, als Propheten, Sanger, Dichter und der-gleichen, die Gottes Wort fleissig und auf allerley Weise getrie-ben haben.
2. Und Gott gebe, daß die Griechen ihre Weise, Comödienund Tragödien zu spielen, von den Jüden genommen haben, wieauch viel andere Weisheit und Gottesdienst w. Denn Judithgibt eine gute, ernste, tapssere Tragödie? so gibt Tobias eineseine, liebliche Comödie. Denn gleichwie das Buch Judith an-zeigt, wie es Land und Leuten oft elendiglich gehet, und wie dieTyrannen erstlich hoffartig toben, und zuletzt schandlich zu Bodengehen.» also zeiget das Buch Tobia an, wie es einem frommenBauer oder Bürger auch übel gehet und viel Leidens im Ehe-stande sey, aber Gott immer gnadiglich helfe und zuletzt das Endemit Freuden beschliesse, auf daß die Eheleute sollen lernen Geduldhaben, und allerley Leiden auf künftige Hoffnung gerne tragen,in rechter Furcht Gottes und vestem Glauben.
3. Und das Griechische Exemplar siehet fast also, daß esein Spiel gewest sey; denn er redet alles in Tobia Person, wiedie Personen im Spiel zu thun pflegen. Darnach ist ein Mei-ster kommen, und hat solch Spiel in eine ordentliche Rede gefas-set. Hiezu stimmen auch die Namen fein. Denn Tobias heißt.-