Druckschrift 
10 (1828)
Entstehung
Seite
56
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S6 Borrede auf die Weisheit Salomonis.

hier heißt nicht die klugen, hohen Gedancken der heydnischen Leh-rer, menschliche Vernunft, sondern das heilige, göttliche Wort.Und was du hierinnen Lobes und Preises von der Weisheit hö-rest, da wisse, daß es nicht anders, denn von dem Wort Gottesgesagt ist. Denn er auch selbst im 16. Cap., V. 7. spricht:Die Kinder Israel seyn nicht durch das Himmelbrod ernähret,noch durch die eherne Schlange gesund worden, sondern durchGottes Wort, wie Christus, Matth. 4,4., auch sagt: DerMensch lebt nicht vom Brod allein ?c. Darum lehret er auch,daß die Weisheit nirgend herkomme, denn von Gott, und führetalso aus der Schrift viel Exempel drauf und giebts der Weisheit,das die Schrift dem Worte Gottes giebt.

13. Solches habe ich desto lieber geredet, daß man gemei-niglich das Wort: Weisheit, anders vernimmt, denn es dieSchrift braucht, nemlich, wenn mans höret, so fahret man mitfliegenden Gedancken dahin, und meynet, es sey nichts, denn Ge-dancken, so in der weisen Leute Hertzen verborgen liegen, und hältdieweil das ausserliche Wort oder Schrift nicht für Weisheit, sodoch aller Menschen Gedancken ohne Gottes Wort eitel Lügenund falsche Träume sind. Darum weil dieses Buchs Namenheißt die Weisheit Salomonis, ists gleich so viel gesagt, alsspräche ich: Ein Buch Salomonis vom Worte Gottes. Undder Geist der Weisheit heißt nichts anders, denn der Glaube undVerstand desselbigen Worts, welchen doch der Heilige Geist giebt.Solcher Glaube oder Geist vermag alles, und thut, wie diß Buchrühmet im 7. Cap. V. 27.

14. Zuletzt ist diß Buch eine rechte Auslegung und Exempeldes ersten Gebots. Denn hier siehest du, daß er durch und durchlehret Gott fürchten und vertrauen, schreckt diejenigen mit Exem-peln göttlichen Zorns, so sich nicht fürchten und Gott verachten,wiederum, tröstet diejenigen mit Exempeln göttlicher Gnade, soihm glauben und trauen, welches nichts anders ist, denn derrechte Verstand des ersten Gebots.

15. Daraus man auch mercken kann, daß aus dem erstenGebot, als aus dem Hauptborn, alle Weisheit quillet und fleus-set, und freilich dasselbige Gebot die rechte Sonne ist, da alleWeisen bey sehen, was sie sehen. Denn wer Gott fürchtet undglaubet, der ist voller Weisheit, aller Welt Meister, aller Worteund Wercke Machtiger, aller Lehre und Leben, so vor Gott giltund hilft, Richter. Wiederum, wer das erste Gebot nicht hat,und Gott weder fürchtet, noch trauet, der ist voller Thorheit, kann