Vorrede auf die Weisheit SalomoniS. 56
nicht ohne grosse Ursache den Philonem für dieses Buchs Meisterhalten.
8. Aber Hernachmals ist diß Buch von vielen für ein rechtBuch der heiligen Schrift gehalten, sonderlich aber in der Römi-schen Kirche also hock, und schön gehalten, daß freylich kaum auseinem Buch in der Schrift so viel Gesangs gemacht ist, als ausdiesem. Vielleicht aus der Ursache, weil in diesem Buche dieTyrannen so heftig mit Worten gestrafet und angegriffen, wieder-um die Heiligen und Märtyrer so höchlich getröstet werden, undzu Rom die Christen mehr, denn sonsten in der Welt, verfolgetund gemartert worden: haben sie diß Buch am meisten getrieben,als das sich zur Sache so eben reimet mit Dräuen wider die Ty-rannen und mit Trösten für die Heiligen. Wiewol sie viele Stü-cke darinnen nicht verstanden und gar oft bey den Haaren gezo-gen haben, wie denn auch sonst der gantzen heiligen Schrift oftgeschehen ist und täglich geschieht.
9. Wie dem allen, es ist viel gutes Dings drinnen, undwohl werth, daß mans lese. Sonderlich aber sollten es lesen diegroßen Hannsen, so wider ihre Unterthanen toben und wider dieUnschuldigen um Gottes Worts willen wüthen. Denn dieselbi-gen spricht er an im 6. Cap. V. 10, und bekennet, daß diß Buchan sie sey geschrieben, da er spricht: Euch Tyrannen gelten meineReden w. Und sehr fein zeuget er, daß die weltlichen Oberherrnihre Gewalt von Gott haben und Gottes Amtleute seyn, aberdräuet ihnen, daß sie tyrannisch solches göttlichen befohlenen Amtsbrauchen.
10. Darum kömmt diß Buch nicht uneben zu unserer Zeitan den Tag, dieweil jetzt auch die Tyrannen getrost ihrer Obrig-keit mißbrauchen wider den, von dem sie solche Obrigkeit haben,und leben doch wol so schändlich in ihrer Abgötterei) und unchrist-licher Heiligkeit, als hier Philo die Römer und Heyden in ihrerAbgötterei) beschreibet: daß sichs allenthalben wohl reimet auf un-sere jetzige Zeit.
11. Man nennet es daher die Weisheit Salomonis, darum,daß, (wie gesagt ist) unter Salomonis Namen und Person ge-dichtet ist, und die Weisheit gar herrlich rühmet, nemlich, wassie sey, was sie vermag, woher sie komme. Und gefallt mir dasaus der maassen wohl drinnen, daß er das Wort Gottes so hochrühmet, und alles dem Wort zuschreibet, was Gott je Wundersgethan hat, beyde, an den Feinden und an seinen Heiligen.
12. Daraus man klärlich erkennen kann, daß er Weisheit