52 Vorrede über das Buch Judith.
2. Dawider schreibet diß Buch im ersten Capitel, daß derKonig Nebucad Nezar zu Babylon habe solch Land allererst vor- !genommen zu gewinnen, und macht den Wahn, als sey diese Ge-schichte vor der Juden Gefängniß und vor der Perser Monarchiegeschehen, zu welcher Zeit die Juden weder Tempel, noch Jerusa-lem erbauet, noch Regiment hatten- bleibet also der Irrthumund Zweifel, beyde, der Gezeiten und Namen, daß ichs nirgendskann zusammen reimen.
3. Etliche wollen, es sey keine Geschichte, sondern ein geist-lich schon Gedicht eines heiligen, geistreichen Mannes, der darin-nen habe wollen mahlen und vorbilden des gantzen JüdischenVolcks Glück und Sieg wider alle ihre Feinde, von Gott wun-derbarlich verliehen, gleichwie Salomo in seinem Hohenlied auchvon einer Braut dichtet und singet, und doch damit keine Person,noch Geschichte, sondern das gantze Volck Israel meynet, und wieSt. Johannes in Apocalnpsi und Daniel viel Bilder und Thieremahlen, damit sie doch nicht solche Personen, sondern die gantzenChristlichen Kirchen und Königreiche meynen. Und Christus, un-ser Herr, selbst gerne mit Gleichnissen und solchen Gedichten um-gehet im Evangclio und vergleichet das Himmelreich zehen Jung-frauen, item, einem Kaufmann und Perlen, einer Beckerinn, ei-nem Senfkorn-, item den Fischern und Netzen, item den Hirtenund Schafen und so fort mehr.
4. Solche Meynung gefallt mir fast wohl, und dencke, daßder Dichter wissentlich und mit Fleiß den Irrthum der Gezeitund Namen darein gesetzet hat, den Leser zu vermahnen, daß ersfür ein solch geistlich, heilig Gedicht halten und verstehen sollte.
5. Und reimen sich die Namen aus der maassen fein. DennJudith heißt Judaa, das ist das Jüdische Volck, so eine keusche,heilige Wittwe ist, das ist, Gottes Volck ist immer eine verlas-sene Wittwe, aber doch keusch und heilig im Wort Gottes undrechten Glauben, casteyet sich und betet. Holoscrnes Heisset pro-taaus I)ux vel (^ndornator, heydnischer, gottloser oder unchrist-licher Herr oder Fürst, das sind alle Feinde des Jüdischen Volcks.Bethulia (welche Stadt auch nirgends bekannt ist) Heisset eineJungfrau, anzuzeigen, daß zu der Zeit die glaubigen, frommenJüden sind gewesen ohne alle Abgötterey und Unglauben, wie sieim Esaia und Jeremia genennet werden, dadurch sie auch un-überwindlich blieben sind, ob sie wol in Nöthen waren.
6. Und mag seyn, daß sie solche Gedichte gespielet haben,wie man bey uns die Passion spielet und andere heilige Geschichte,