46 Borrede über den Propheten Habacuc.
Zukunft, es stelle sich, wie seltsam es wolle. Darum braucht eralle Kunst und Stücke, die dazu dienen, daß der Glaube vestbleibe in ihrem Hertzen von dem verheißenen Christo, und pre-digt also:
2. Es sey wol wahr, daß um ihrer Sünde willen das Landvom Konige zu Babel werde müssen verstöret werden; aber dochsolle darum Christus und sein Reich nicht aussen bleiben, sondernes solle auch der Verstörer, der König zu Babel, nicht viel Glücksdavon haben und auch untergehen. Denn es sey Gottes Werckund Art also, daß er helfe, wenn es noth thut, und komme mit-ten in der rechten Zeit, und wie sein Lied singet: Er gedenckt derBarmhertzigkeit, wenn Trübsal da ist! und wie man spricht:Wenn der Strick am härtesten halt, so bricht er.
3. Gleichwie wir auch müssen die Christen mit Gottes Wortaufhalten zum Jüngsten Tage, ob es wol scheinet, daß Christusfast verziehe und wolle nicht kommen, als er auch selbst sagt,Matth. 24, 37. ff., daß er kommen werde, wenn man es amwenigsten denckt, wenn sie bauen, pflantzen, kaufen, verkaufen, es-sen, trincken, freyen und heyrathen werden :c.: auf daß doch et-liche, so nicht alle, können im Glauben erhalten werden. Dennhier ist gläubens und predigens noth, wie man man wol taglichvor Augen siehet.
4. Aus dem allen siehet man wol, daß dieser Habacuc seygewesen vor der Babylonischen Gefängniß, vielleicht um dieZeit Jeremiä, und auch leicht zu verstehen ist, was er will undmeynct. ,
Z. Daß aber etliche Bücher von dem Habacuc melden, erhabe dem Propheten Daniel zu Babylon Essen gebracht insGefängniß aus dem Jüdischen Lande, hat weder Grund nochSchein. So triffts auch nicht wol zu mit der Rechnung derZeit, sintemal, so viel die Weissagung Habacuc giebt, st ist eralter, denn Jeremias, welcher hat erlebt die Verstörung Jerusa-lems, aber Habacuc weissaget davon; Daniel aber war nachJeremia, und lebete lange, ehe er in das Gefängniß ward ge-worfen.
6. Habacuc aber hat einen rechten Namen zu seinem Amte,denn Habacuc heißt auf Deutsch: ein Hertzer, oder, der sich miteinem andern hertzet und in die Arme nimmt. Er thut auchalso mit seiner Weissagung, daß er sein Volck hertzet und in dieArme nimmt, das ist, er tröstet sie und halt sie auf, wie man