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10 (1828)
Entstehung
Seite
35
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Vorrede über den Propheten Ieremiam. 25

Hertzen, als Daniel und andere viel, verzweifeln muffen an Gottund an allen seinen Verheissungen, als die nicht anders hattenmögen dencken, denn, als wäre es gar aus mit ihnen, und sievon Gott allerdinge verflossen waren, daß kein Christus nimmer-mehr kommen würde, sondern Gott hatte seine Berheissung, umdes Volcks Sünde willen, in grossem Grimm zurück gezogen.Darum mußte Zeremias da seyn, und die Strafe und den Zornalso verkündigen, daß sie nicht ewig, sondern eine bestimmte Zeit,als 70 Jahr, wahren sollten, und darnach sie wiederum zuGnaden kommen.

6. Welcher Berheissung er sich selbst auch hat müssen trö-sten, und sich damit erhalten, hat sonst nicht viel Trostes, nochguter Tage gehabt. Denn er ein elender und betrübter Prophetgewesen ist, zu jammerlichen, bösen Zeiten gelebt, dazu ein treff-lich schwer Predigtamt geführet, als der über vierzig Jahr, bis zumGefängniß, sich mit bösen, halsstarrigen Leuten hat müssen schel-ten, und doch wenig Nutzen können schassen, sondern zusehen, daßsie je langer je arge? wurden, und immer ihn todten wollten, undihm viel Plage anlegten.

7. Zudem hat er erleben und mit Augen sehen müssen dieVerstörung des Landes und Gefängniß des Volcks, und viel gros-sen Jammer und Blutvergiessung, ohn was er darnach in Egyp-ten hat müssen predigen und leiden. Denn man Halts, daß ervon den Jüdcn sey gesieinigct in Egypten.

8. Zum dritten thut er auch, wie andre Propheten, undweissaget von Christo und seinem Reiche, sonderlich im 23. und>-l. Cap., da er gar klarlich von der Person Christi, von seinemReiche, vom Neuen Testament und vom Ende des Alten Testa-ments weissagt. Aber diese drey Stücke gehen nicht in der Ord-nung nach einander und sind nicht von einander getheilet imBuche, wie sie in der That und Wesen nach einander gegangensind. Ja vom ersten Stück stehet oft im folgenden Capitel et-was, das doch ehe geschehen ist, weder das im vorigen Capitel:daß stchs ansiehet, als habe Jcremias solche Bücher nicht selbstgestellet, sondern seyn stücklichen aus seiner Rede gefasset undaufs Buch verzeichnet. Darum muß man sich an die Ordnungnicht kehren und die Unordnung nicht hindern lassen.

9. Wir lernen aber aus Jeremia unter andern das, wiegemeiniglich, je näher die Strafe ist, je arger die Leute werden,und je mehr man ihnen prediget, je höher sie es verachten: daßman greift, wenn Gott strafen will, daß er die Leute verstecken