Vorrede auf die Propheten. 3l
und geschiehet doch, was Gott will und denckt, nicht, was wirwollen und dencken. Summa, da Christus spricht, Matth. 6,z4: Sorget nicht für den morgenden Tag; denn der morgendeTag wird seine selbst Sorge haben; es ist gnug, daß ein jeglicherTag sein Uebel hat! dieser Spruch ist die Glosse und Inhalt die-ses'Buchs. Sorgen für uns, gehört Gott zu; unser Sorgenfehlet doch, und gibt eitel verlorene Mühe.
Borrede auf die Propheten.
1. Es scheinet vor der Vernunft fast ein gering Ding umdie Propheten seyn, als darinnen wenig nützliches gefundenwürde, sonderlich, wenn Meister Klügel darüber kommet, der dieheilige Schrift gar auswendig und auf den Nageln kann, dersiehet es aus grossem Reichthum seines Geistes für eitel faul, todtGewäsche an. Das macht, daß die Geschichte nun nicht mehrvor Augen sind, und allein die Worte oder Historien gehöret wer-den, welches kein Wunder ist, so auch jetzt Gottes Wort verach-tet wird, obgleich noch Zeichen und Geschichte, dazu das ReichChristi gewaltiglich vor Augen stehet und gehet. Wie vielmehrsollte es verachtet werden, wo nicht mehr die Geschichte und Thatvorhanden waren, eben wie die Kinder Israel verachteten Gottund sein Wort, da sie noch vor Augen hatten das Himmelsbrod,die feurige Seule und lichte Wolcke, und beyde, Priesterthum undFürstcnthum?c.
2. Darum sollen wir Christen nicht solche schandliche, über-drüssige und undanckbare Klüglinge seyn, sondern die Prophetenmit Ernst und Nutz lesen und gebrauchen. Denn erstlich verkün-digen und bezeugen sie Christi Königreich, darinnen wir jetzt le-ben und alle Christglaubigen bis jetzt gelebt haben, und leben wer-den bis an der Welt Ende.
^ ^ 3. Und das ist uns gar ein starcker Trost und tröstliche^tärcke, daß wir für unfer Christlich Leben so machtige und altebeugen habe, dadurch unser Christlicher Glaube gar hoch getröstetwird, daß er der rechte Stand sey vor Gott, wider alle andereunrechte, falsche, menschliche Heiligkeit und Rotten, welche um ih-res grossen Scheins und der Menge willen, so daran hangen,