All Vorrede über den Prediger Salomo,
sin nennet. Es ist aber das Buch freylich nicht durch den KochSalomo selbst mit eigener Hand geschrieben, oder gestellet, son-dern aus seinem Munde durch andere gehöret und von den Ge-lehrten also zusammen gefaßt, wie sie denn selbst am Ende beken-nen, da sie sagen, C. t2, tl- Diese Worte sind Spieße und Nä-gel, gestellet durch die Meister der Gemeinde, und von einem Hir-ten dargcgeben, das ist, es sind zu der Zeit von Königen und lVolck etliche Auscrwählte verordnet gewesen, diß und andere Bü-cher, von Salomo, dem einigen Hirten, dargereichet, also zu stel-len und ordnen, daß nicht ein jeglicher hat müssen Bücher ma-chen, wie ihn gelüstet; wie daselbst sie auch klagen, daß des Bü-chermachens kein Ende ist, und verbieten, andere anzunehmen.
2. Solche Leute nennen sich hier Meister der Gemeinde,daß die Bücher haben müssen durch ihre Hand und Amt ange-nommen und bestätigt werden. Denn das Jüdische Volck hatteein äußerlich Regiment, von Gott eingesetzt, darum Gott solcheswohl gewiß und recht geschehen konnte. Also ist auch diß Buchder Sprüche Salomo zusammen gestickt durch andere, und hintendran etlicher weiser Männer Lehre und Sprüche hinzugesetzt.Item, das hohe Lied Salomo siehet auch, als ein gestückt Buch,von andern aus Salomo Munde genommen. Daher auch keineOrdnung in diesen Büchern gehalten ist, sondern eins ins anderegemengt, wie sie es nicht alles zu einer Zeit, noch auf einmalvon ihm gehöret haben, wie solcker Bücher Art seyn muß.
3. Nun diß Buch sollte billig den Titel haben, daß es widerden freyen Willen geschrieben wäre. Denn es alles dahin zeucht,daß aller Menschen Rath, Anschläge und Vornehmen umsonstund vergeblich sind, und immer anders hinaus gehet, denn wirwollen und dencken: auf daß er uns lerne, gelassen stehen undGott lassen alleine alle Dinge über, wider und ohn' unser Wissenund Rath thun. Darum mußt du diß Buch nicht also verstehen,als schelte es die Creatur Gottes, wenn es spricht: es sey eitelund Jammer ?c., denn Gottes Ereaturen sind alle gut, 1. Mos.1, 3l. und 1. Tim. 4, 4., auch lehret es selbst, daß einersollguten Muth haben mit seinem Weibe, und des Lebens brau-chen :c., sondern, daß die Anschlage und Vornehmen der Men-schen, mit den Ereaturen zu fahren, allzumalen fehlen und ver-geblich sind. Wenn man sich nicht läßt begnügen an dem, dasvor Handen gegenwärtig ist, sondern will aufs künstige sie mei-stern und regieren- so gehet es allewege den Krebsgang, daßman nicht mehr, denn Verlorne Sorge und Mühe gehabt hat,