Vorrede auf den Psalter. 2l
Haupt selbst aller Heiligen gethan hat, und noch alle Heiligenthun, wie sie gegen Gott, dessen Freunden und Feinden sich stel-len, wie sie sich in aller Gefahr und Leiden halten und schicken,über das, daß allerley göttliche, heilsame Lehre und Gebote dar-innen stehen.
4. Und sollte der Psalter allein deßhalben theuer und liebseyn, daß er von Christi Sterben und Auferstehung so klarlichverbeisset, und sein Reich und der gantzen Christenheit Stand undWesen vorbildet, daß es wol möchte eine kleine Biblia heissen,darinnen alles aufs schönste und kürtzeste, so in der gantzen Bi-blia stehet, gefasset, und zu einem feinen Enchiridion oder Hand-buch gemacht und bereitet ist: daß mich düncket, der Heilige Geisthabe selbst wollen die Mühe auf sich nehmen, und eine kurtze Bi-bel und Exempelbuch von der gantzen Christenheit oder allen Hei-ligen zusammen bringen, auf daß, wer die gantze Biblia nicht le-sen könnte, hatte hierinncn doch fast die gantze Summa versassetin ein klein Büchlein.
5. Aber über das alles ist des Psalters edle Tugend undArt, daß andere Bücher wol viel von Wercken der Heiligen rum-peln, aber gar wenig von ihren Worten sagen; da ist der Psalterein Ausbund, darinnen er auch so wohl und süsse reucht, wennman darinnen liefet, daß er nicht allein die Wercke der Heiligenerzählet, sondern auch ihre Worte, wie sie mit Gott geredet undgebetet haben und noch reden und beten: daß vie andern Legen-den und Exempel, wo man sie gegen den Psalter halt, uns schiereitel stumme Heiligen vorhalten, aber der Psalter rechte wackere,lebendige Heiligen uns einbildet.
6. Es ist ja ein stummer Mensch gegen einem redenden schier,als ein halbtodter Mensch zu achten. Und kein kraftiger, nochedler Werck am Menschen ist, denn reden, sintemal der Menschdurchs Reden von andern Thieren am meisten geschieden, mehr,denn durch die Gestalt, oder andere Wercke, weil auch wol einHoltz kann eines Menschen Gestalt durch Schnitzerkunst haben,und ein Thier sowol sehen, hören, riechen, singen, gehen, stehen,essen, trincken, fasten, dürsten, Hunger, Frost und hart Lager lei-den kann, als ein Mensch.
7. Zudem thut der Psalter noch mehr, daß er nicht schlechte,gemeine Reden der Heiligen uns fürbildet, sondern die allerbesten,i» sie mit grossem Ernst in den allervortrefflichsten Sachen mitGott selber geredet haben, damit er nicht allein ihr Wort überihre Wercke, sondern auch ihr Hertz und gründlichen Schatz ihrer