2l1 Borrede auf den Psalter.
sollte allenthalben von Wort zu Wort, und nicht das mehrere-mal nach dem Sinn verdollmetschen, (wie die Juden und unver-ständigen Dollmetscher wollen,) würde es niemand verstehen we-gen. Als wenn er so oder deßgleichen redet: Die Durstigen wer-den sein Gut aussaussen, das ist, die Räuber Werdens ihm neh-men. Item, die Kinder des Hochmuths sind nie darauf gangen,das ist, die jungen Löwen, die stoltz hergehen, und dergleichen viel.Item, Licht heißt er Glück, Finsterniß Unglück :c. Derhalbenachte ich, diß dritte Theil werde müssen herhalten, und von denKlüglingen getadelt werden, es sey gar ein ander Buch, denn dieLateinische Bibel hat. Die lassen wir fahren. Wir haben denFleiß fürgewandt, daß wir deutliche und jedermann verständlicheRede geben, mit unverfälschtem Sinn und Verstand, mögen lei-den, daß es jemand besser mache.
Borrede auf den Psalter.
1. Es haben viel heilige Väter den Psalter sonderlich vorandern Büchern der Schrift gelobet und geliebet. Und zwar lo-bet das Werck seinen Meister selbst genug: doch müssen wir un-ser Lob und Danck auch daran beweisen.
2. Man hat in vergangenen Jahren fast viel Legenden vonden Heiligen und Pasflonal, Exempelbücher und Historien um-hergeführet und die Well damit erfüllet, daß der Psalter dieweilunter der Banck und in solcher Finsterniß lag, daß man nichtwol einen Psalmen recht verstund, und doch so trefflichen, edlenGeruch von sich gab, daß alle fromme Hertzen auch aus den un-bekannten Worten Andacht und Kraft empfunden, und das Büch-lein darum lieb hatten.
3. Ich halte aber, daß kein feiner Exempelbuch oder Legen-den der Heiligen auf Erden kommen sey, oder kommen möge,denn der Psalter ist. Und wenn man wünschen sollte, daß ausallen Exempeln, Legenden, Historien das beste gelesen und zusam-mengebracht und auf die beste Weise gcstellet würde: so müßte esder jetzige Psalter werden. Denn hier finden wir nicht allein,was einer oder zween Heiligen gethan haben, sondern, was das