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Vorrede über das Buch Hiob.
1. Das Buch Hiob handelt diese Frage- Ob auch denFrommen Unglück von Gott widerfahre? Hier stehet Hiob veste,und halt, daß Gott auch die Frommen ohne Ursache, allein zuseinem Lobe peiniget, wie Christus, Johannis am S, 3., vondem, der blind geboren war, auch zeuget.
2. Darwider setzen sich seine Freunde, und treiben ein großund lang Geschwätz, wollen Gott Recht erhalten, daß er keinenFrommen strafe, strafe er aber, so müsse derselbe gesündiget ha-ben, und haben so ihre weltlichen und menschlichen Gcdanckenvon Gott und seiner Gerechtigkeit, als Ware er, gleich wie Men-schen sind, und sein Recht, wie der Welt Recht ist.
3. Wiewol auch Hiob, als der in Todesnöthen kömmt, ausmenschlicher Schwachheit zu viel wider Gott redet, und im Lei-den sündiget, und doch darauf bleibet, er habe solch Leiden nichtverschuldet vor andern, wie es denn auch wahr ist- aber zuletzturtheilet Gott, daß Hiob, indem er wider Gott geredt hat im Lei-den, unrecht geredt habe, doch, was er wider seine Freunde gehal-ten hat von seiner Unschuld vor dem Leiden, recht geredt habe-
4. Also führet dieses Buch die Historie endlich dahin, daßGott allein gerecht ist, und doch wohl ein Mensch wider den an-dern gerecht ist, auch vor Gott. Es ist aber uns zu Trost ge-schrieben, daß Gott seine grossen Heiligen also laßt straucheln,sonderlich in der Widerwärtigkeit. Denn ehe, daß Hiob in To-desangst kömmt, lobet er Gott über den Raub seiner Güter undTod seiner Kinder. Aber da ihm der Tod unter Augen gehet,und Gott sich entzeucht, geben seine Worte Anzeigung, was vorGedancken ein Mensch habe (er sey, wie heilig er wolle,) widerGott, wie ihn düncket, daß Gott nicht Gott, sondern eitel Rich-ter und zorniger Tyrann sey, der mit Gewalt fahre und fragenach niemands gutem Leben. Diß ist das höchste Stück in die-sem Buche. Das verstehen allein die, so auch erfahren und füh-len, was es sey, Gottes Zorn und Urtheil leiden, und seine Gnadeverborgen seyn.
5. Die Rede aber dieses Buchs ist so reisig und prachtig,nls freylich keines Buchs in der gantzen Schrift, und so mans
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