Druckschrift 
10 (1828)
Entstehung
Seite
16
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16 Vorrede auf das Alte Testament.

Zeugen Most's und seines Amts, daß sie durch das Gesetz jeder-mann zu Christo bringen.

33. Auf das letzte sollte ich auch wohl die geistliche Deu-tung anzeigen, so durch das Levitische Gesetz und PricsterthumMosts vorgelegt. Aber es ist sein viel zu schreiben, es will Raumund Zeit haben, und mit lebendiger Stimme ausgelegt seyn.Denn freylich Moses ein Brunn ist aller Weisheit und Verstan-des, daraus gequollen ist alles, was alle Propheten gewußt undgesagct haben. Darzu auch das Neue Testament heraus fleußtund darinnen gegründet ist, wie wir gehöret haben. Aber dochein kleines kurtzes Grifflein zu geben denenjenigen, so Gnade undVerstand haben, weiter nachzutrachten, sey das mein Dienst.

34. Wenn du willst wohl und sicher deuten, so nimm Chri-stum vor dich, denn das ist der Mann, dem es alles und gantzund gar gilt. So mache nun aus dem Hohenpriester Aaron nie-mand, denn Christum alleine, wie die Epistel an die Ebraer thut,7, 15. ff., welche fast allein genugsam ist, alle Figuren Mosis zudeuten. Also ist es auch gewiß, daß Christus selbst das Opsserist, ja auch der Altar, der sich selbst mit seinem eigenen Blutgeopffert hat, wie auch diese Epistel meldet, 7, 27; 13, 10. Wienun der Levitische Hohepriester durch solch Opsser nur die ge-machten Sünden wegnahm, die von Natur nicht Sünde waren,also hat unser Hohepriester, Christus, durch sein selbst Opsser undBlut die rechte Sünde weggenommen, und ist einmal durch denVorhang gegangen zu Gott, daß er uns versöhne-, also, daß dualles, was vom Hohenpriester geschrieben ist, auf Christum per-sönlich und sonst auf niemand deutest.

35. Aber des Hohenpriesters Söhne, die mit dem taglichenOpsser umgehen, sollst du auf uns Christen deuten, die wir vorunserm Vater Christo, im Himmel sitzend, hier auf Erden mitdem Leibe wohnen, und nicht hindurch sind bey ihm ohne mitdem Glauben geistlich. Derselben Amt, wie sie schlachten undopffern, bedeutet nichts anders, denn, das Evangelium predigen,durch welches der alte Mensch getödtet und Gott geopffert, durchsFeuer der Liebe im Heiligen Geist verbrannt und verzehret wird,welches gar wohl reucht vor Gott, das ist, es macht ein gut,rein, sicher Gewissen vor Gott. Diese Deutung trifft S^> Pau-lus, Röm. 12, 1., da er lehret, wie wir unsere Leiber sollen opf-fern Gott zum lebendigen, heiligen, angenehmen Opffer, welcheswir thun (wie gesagt) durch stetige Uebung des Evangelii, beyde,