Druckschrift 
10 (1828)
Entstehung
Seite
12
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1K Vorrede auf das Alte Testament.

vertreiben, ist Most 's Amt noth. Nun kann er sie nicht vertrei-ben, er muß sie offenbaren und zu erkennen geben. Das thut erdurchs Gesetz, da er lehret, man solle Gott fürchten, trauen, glau-ben und lieben, dazu keine böse Lust noch Haß zu einigem Men-schen tragen oder haben. Wenn nun die Natur solches recht hö-ret, so muß sie erschrecken; denn sie befindet gewiß weder Trauennoch Glauben, weder Furcht noch Liebe zu Gott, item, wederLiebe noch Reinigkeit gegen dem Nächsten, sondern eitel Unglau-ben, Zweifeln, Verachtung und Haß zu Gott, und eitel bösenWillen und Lust zum Nächsten. Wenn sie aber solches findet,so ist der Tod alsobald vor Augen, der solchen Sünder fressenund in die Hölle will verschlingen.

22. Siehe, das heißt den Tod durch die Sünde auf unsbringen und durch die Sünde uns todten. Das heißt durch dasGesetz die Sünde regen und vor die Augen setzen, und alle unsereVermessenheit in ein Verzagen und Zittern und Verzweifeln trei-ben, daß der Mensch nicht mehr kann thun, denn mit dem Pro-pheten schreyen- Ich bin von Gott verworfen! Esa. 49, 14.,oder, wie man auf Deutsch saget: Ich bin des Teufels, ich kannnimmermehr selig werden. Das Heisset recht in die Hölle gefüh-ret. Das meynet St. Paulus mit kurtzen Worten, 1. Cor.,S6: Der Stachel des Todes ist die Sünde, aber das Gesetz istder Sünden Kraft. Als sollte er sagen: Daß der Tod sticht unduns erwürget, machet die Sünde, die an uns erfunden wird, desTodes schuldig. Daß aber die Sünde an uns funden wird, undso machtig uns dem Tode gibet, machet das Gesetz, welches unsdie Sünde offenbaret und erkennen lehret, die wir zuvor nichtkannten, und sicher waren.

23. Nun siehe, mit welcher Gewalt Moses solches sein Amttreibet und ausrichtet. Denn, daß er ja die Natur ausis aller-höheste schände, giebt er nicht allein solche Gesetze, die von natur-lichen und wahrhastigen Sünden sagen, als da sind die Zehn Ge-bote, sondern machet auch Sünde, da von Natur sonst keineSünde ist, und dringet und drücket auf sie mit Haufen Sünden.Denn Unglaube und böse Lust ist von Art Sünde, und des To-des werth. Aber, daß man nicht soll gesäuert Brod essen aufOstern, 2. Mos. 12, S., und kein unrein Thier essen, 3. Mos.11, 4. flgg., kein Zeichen an den Leib machen, 3. Mos. 19, 28;21, 1Z., und alles, was das Levitische Priesterthum mit Sün-den schaffet, das ist nicht von Art Sünde und böse, sondern wirdallein darum Sünde, daß es durch das Gesetz verboten ist, wel-