Druckschrift 
10 (1828)
Entstehung
Seite
11
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Borrede auf das Alte Testament.

19. Aufs dritte ist das die rechte Meynung Mosis, daß erdurchs Gesetz die Sünde offenbare und alle Vermessenheit mensch-lichen Vermögens zu schänden mache. Denn daher nennet ihnSt. Paulus, Galat. 3, 19., einen Amtmann der Sünde, und

^ " sein Amt ein Amt des Todes, 2. Cor. 3, 6. und Rom. 3, 20;und Cap. 7, 7. spricht er.- Durchs Gesetz kommen nicht mehr,denn Erkenntniß der Sünde; und Rom. 2, 20.- Durchs GesetzesWerck wird niemand fromm vor Gott. Denn Moses kanndurchs Gesetz nicht mehr thun, weder anzeigen, was man thunund lassen soll; aber Kraft und Vermögen, solches zu thun undzu lassen, giebt er nicht, und laßt uns also in der Sünde stecken.Wenn wir denn in der Sünde stecken, so dringet der Tod alsbaldaus uns, als eine Rache und Strafe über die Sünde. Dahernennet St. Paulus die Sünde des Todes Stachel, 1. Cor. 15,56., daß der Tod durch die Sünde alle sein Recht und Macht anuns hat. Aber, wo das Gesetz nicht wäre, so wäre keine Sünde,Rom. 4, 15. Darum ists alles Mosis Amts Schuld, der regetund rüget die Sünde durchs Gesetz, so folget der Tod auf dieSünde mit Gewalt: daß stAosis Amt billig und recht ein Amtder Sünde und des Todes von St. Paulo geuennet wird, 2. Cor.Z, 6. Denn er bringet nichts auf uns durch sein Gesetzgeben,denn Sünde und Tod.

20. Aber doch ist solch Sündenamt und Todesamt gut undfast vonnöthen. Denn wo Gottes Gesetz nicht ist, da ist allemenschliche Vernunft so blind, daß sie die Sünde nicht mag er-kennen, Rom. 3, 20; 7, 7. 3. Denn keine menschliche Vernunftweiß, daß Unglaube und an Gott verzweifeln Sünde sey; ja sieweiß nichts davon, daß man Gott glauben und trauen soll: gehetalso dahin in ihrer Blindheit verstockt, und fühlet solche Sündenimmermehr, thut dieweil sonst etwa gute Wcrcke und führet einäusserlich ehrbar Leben. Da mennet sie denn, sie stehe wohl, undsey der Sachen gnug geschehen, wie wir sehen an den Hcydenund Heuchlern, wenn sie» auf ihr bestes leben. Item, so weißsie auch nicht, daß böse Neigung des Fleisches und Haß wider dieFeinde, Sünde sey; sondern weil sie siehet und fühlet, daß alleMenschen so geschickt sind, achtet sie solches für natürlich undrecht gut Ding, und meynet, es sey gnug, wenn man nur äusser-lich den Wercken wehret. Also gehet sie dahin, und achtet ihreKranckheit für Slarcke, ihre Sünde für Recht, ihr Böses fürGut, und kann nicht weiter.

21. Siehe, diese Blindheit und verstockte Vermessenheit zu

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