Borrede auf das Alte Testament. 13
ches Gesetz wohl kann abseyn. Aber die Zehn Gebote mögennicht also abseyn; denn da ist Sünde, obschon die Gebote nichtwaren, oder nicht erkennet waren. Gleichwie der Heyden Un-glaube Sünde ist, ob sie es wohl nicht wissen noch achten, daß esSünde sey.
24. Also sehen wir, daß solche und so mancherley GesetzeMosis nicht allein darum gegeben sind, daß niemand etwas eige-nes dürfte erwählen, Gutes zu thun und wohl zu leben, wie dro-ben gesagt ist, sondern vielmehr darum, daß der Sünden nur vielwürden, und sich über die Maaßen Haufeten, das Gewissen zu be-schweren, auf daß die verstockte Blindheit sich erkennen müßteund ihr eigen Unvermögen und Nichtigkeit zum Guten müßtefühlen, und also durch das Gesetz genöthiget und gedrungen würde,etwas weiteres zu suchen, denn das Gesetz und eigen Vermögen,mmlich Gottes Gnade, im künftigen Christo verheissen. Dennes ist je alles Gesetze Gottes gut und recht, wenn es auch gleichhiesse, nur Mist tragen oder Strohhalm aufheben. So mußaber ja der nicht fromm noch gutes Hertzens seyn, der solch gutGesetz nicht halt oder ungerne halt. So vermag alle Naturnichts anders, denn ungerne halten; darum muß sie hier am gu-ten Gesetze Gottes ihre Bosheit erkennen und fühlen, und nachder Hülse göttlicher Gnade seufzen und trachten in Christo.
25. Darum, wo nun Christus kommt, da höret das Gesetzauf sonderlich das Levitische, welches Sünde machet, da sonst vonArt keine Sünde ist, wie gesagt ist. So hören auch die ZehenGebote auf, nicht also, daß man sie nicht halten noch erfüllensollte, sondern Mosis Amt höret drinnen auf, daß es nicht mehrdurch die Zehen Gebote die Sunde starck machet, und die Sündenicht mehr des Todes Stachel ist. Denn durch Christum ist dieSünde vergeben, Gott versöhnet, und das Hertz hat angefangen,dem Gesetze hold zu seyn, daß es Mosis Amt nicht mehr kannstrafen und zu Sünden machen, als hätte es die Gebote nicht ge-halten und wäre des Todes schuldig, wie es that vor der Gnade,ehe denn Christus da war.
26. Das lehret St. Paulus, 2. Cor. 3, 14., da er spricht:daß die Klarheit im Angesicht Mosis aufhöret um der Klarheitwillen im Angesicht Zesu Christi. Das ist das Amt Mosis, dasuns zu Sünden und Schanden macht mit dem Glantz der Er-kenntniß unserer Bosheit und Nichtigkeit, thut uns nicht mehru>ehe, schrecket uns auch nicht mehr mit dem Tode; denn wir ha-ben nun die Klarheit im Angesicht Christi, das ist das Amt der