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Vorrede auf das Alte Testament.
noch ein Gesetz seyn, wo es dem Glauben oder der Liebe will zu-wider gerathen.
16. Derohalben irren die Juden noch heutiges Tages fast sehr,daß sie so strenge und hart über etlichen Gesetzen Mosis haltenund viel eher Liebe und Frieden ließen untergehen, ehe sie mituns äßen und trancken, oder dergleichen thaten, und sehen desGesetzes Meynung nicht recht an. Denn dieser Verstand ist von-nöthen allen, die unter Gesetzen leben, nicht allein den Juden.Denn also saget auch Christus, Matth. 12, 11., daß man denSabbath brechen möchte, wo ein Lchs in die Grube gefallenwäre, und ihm heraushelfen, welches doch nur eine zeitliche Nothund Schaden war. Wie vielmehr soll man frisch allerley Gesetzbrechen, wo es Leibes Noth fodert, so anders dem Glauben undder Liebe nichts zuwider geschieht, wie Christus sagt, daß es Da-vid gethan hat, da er die heiligen Brode aß, Matth. 12, 4.
17. Was ist aber, daß Moses die Gesetze so unordig untereinander wirft? Warum setzet er nicht die weltlichen auf einenHaufen, die geistlichen auch auf einen Haufen, und den Glaubenund Liebe auch auf einen Haufen? Dazu wiederholet er zuweilenein Gesetz so oft, und treibet einerley Worte so vielmal, daß esgleich verdrossen ist, zu lesen und zu hören? Antwort.- Mosesschreibet, wie sichs treibet, daß sein Buch ein Bild und Exempelist des Regiments und Lebens. Denn also gehet es zu, wenn es imSchwange gehet, daß jetzt dieß Werck, jetzt jenes gethan seyn muß,und kein Mensch sein. Leben also fassen mag, (so es anders gött-lich seyn soll,) daß er diesen Tag eitel geistlich, den andern eitelweltlich Gesetz übe-, sondern Gott regieret also alle Gesetze untereinander, wie die Sterne am Himmel und Blumen auf demFelde stehen, daß der Mensch muß alle Stunde zu jeglichem be-reit seyn und thun, welches ihm am besten vor die Hand kömmt.Also ist Mosis Buch auch unter einander gemenget.
18. Daß er aber so fast treibet und oft einerley.wiederholet,da ist auch seines Amts Art angezeiget. Denn wer ein Gesetz-volck regieren soll, der muß immer anhalten, immer treiben, undsich mit dem Volck, wie mit Eseln, bleuen. Denn kein Gesetz-werck gehet mit Lust und Liebe ab; es ist alles erzwungen undabgenöthiget. Weil nun Moses ein Gesetzlchrer ist, muß er mitseinem Treiben anzeigen, wie Gesetzwercke gezwungene Werckesind, und das Volck müde machen, bis es durch solch Treiben er-kenne seine Kranckheit und Unlust zu Gottes Gesetz, und nach derGnade trachte, wie folget.