Druckschrift 
10 (1828)
Entstehung
Seite
9
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Borrede auf das Alte Testament. 3

cherley Weise uns mit seinem Gebot verfasset, auf daß, ob sie jamüßten oder auch wollten Gott irgend einen ausserlichen Dienstthun, daß sie dieser einen angriffen, und nicht einen eigenen er-dächten, damit sie gewiß und sicher waren, daß solch ihr Werck inGottes Wort und Gehorsam ginge. Also ist ihnen allenthalbengewehret, eigner Vernunft und freyem Willen zu folgen, Guteszu thun und wohl zu leben, und doch übrig gnug Raum, Stätte,Zeit, Person, Werck und Weise bestimmt und vorgelegt, daß sienicht klagen dürfen, noch fremder Gottesdienste Exempel nachfol-gen müssen.

13. Aufs andere ist zu mercken, daß die Gesetze dreyerleyArt sind. Etliche, die nur von zeitlichen G.ütern sagen, wie beiuns die Kaiserlichen Gesetze thun. Diese sind von Gott allermeistum der Bösen willen gesetzt, daß sie nichts ärgeres thaten. Dar-um sind solche Gesetze nur Wehrgesetze mehr, denn Lehrgesetze;als, da Moses gebeut, ein Weib mit einem Scheidebriefe von sichzu lassen, 5. Mos. 24, 1.; item, daß ein Mann sein Weib miteinem Eiferopffer treiben, 4. Mos. 14, und andere Weiber mehrnehmen mag, 5. Mos. 25, 5. Solches sind alles weltliche Ge-setze. Etliche aber sind, die von äusserlichem Gottesdienste lehren,wie droben gesagt ist.

14. Ueber diese beyde nun gehen die Gesetze vom Glaubenund von der Liebe, also, daß alle andere Gesetze müssen und sollenihr Maaß haben vom Glauben und von der Liebe, daß sie gehensollen, wo ihre Wercke also gerathen, daß sie nicht wider denGlauben und die Liebe gehen; wo sie aber wider den Glaubenund die Liebe gerathen, sollen sie schlecht ab seyn.

15. Daher lesen wir, daß David den Mörder Joab nichttödtete, so er doch zweymal den Tod verdienet hatte, 2. Sam.3, 27; 20, 10; und 2. Sam. 14, 11. gelobet er dem Weibevon Thekoa, ihr Sohn solle nicht sterben,, ob er wol seinen Bru-der erwürget hätte; item, Absalom tödtete er auch nicht, 2. Sam.14, 21.; item, er selbst, David, von dem heiligen Brodt derPriester, 1. Sam. 21, 6; item, Thamar meynete, der Königmöchte sie geben Ammon, ihrem Stiefbruder, zur Ehe, 2. Sam.13, 13. Aus diesen und dergleichen Geschichten siehet man wohl,daß die Könige, Priester und Obersten haben oft frisch ins Gesetzgegriffen, wo es der Glaube und die Liebe haben gefordert.- daßalso der- Glaube und die Liebe soll aller Gesetze Meisterin seyn,und sie alle in ihrer Macht haben. Denn sintemal alle Gesetzeauf den Glauben und Liebe treiben, soll keines nicht mehr gelten,