« Vorrede auf das Alre Testamenr.
weget wurden, sein Gesetz mit Lust und Liebe zu halten, wieder-holet Moses das gantze Gesetz mit allen Geschichten, so ihnen be-gegnet war, (ohne, was das Priesterthum betrifft,) und erkläretalso von neuem an alles, was, beyde, zum leiblichen und geistli-chen Regiment eines Volcks gehöret: daß also Mose, wie ein voll-kommener Gesetzlehrer, allenthalben seinem Amte gnug that, unddas Gesetz nicht allein gäbe, sondern auch dabey wäre, da mansthun sollte, und, wo es schlete, crklärete und wieder anrichtete.Aber diese Erklärung im fünften Buch hält eigentlich nichts an-ders innen, denn den Glauben zu Gott und die Liebe zum Näch-sten; denn' dahin gelangen alle Gesetze Gottes. Darum wehretMose mit seinem Verklaren alle dem, das den Glauben an Gottverderben mag, bis hinan in das 20. Capitel, und alle dem, dasdie Liebe hindert, bis an des Buchs Ende.
10. Hiebey ist nun zu mercken auf's erste, daß Mose dasVolck so genau mit Gesetzen verfasset, daß er keinen Raum lässetder Vernunft x irgend ein Werck zu erwählen, oder eigenen Got-tesdienst erfinden. Denn er lehret nicht allein Gott fürchten,trauen und lieben, sondern gibt auch so mancherley Weise äußer-liches Gottesdiensts mit ppffern, geloben, fasten, casteyenw., daßniemand noth sey, etwas anders zu erwählen; item, er lehretauch pflantzen, bauen, freyen, streiten, Kinder, Gesinde und Hausregieren, kaufen und verkaufen, borgen und lösen, und alles, wasäusserlich und innerlich zu thun sey, sogar, daß etliche Satzungengleich närrisch und vergeblich anzusehen sind.
11. Lieber, warum thut Gott das? Endlich darum, er hatsich des Volcks unterwunden, daß es sein eigen seyn sollte und erwollte ihr Gott seyn; darum wollte er sie also regieren, daß alleihr Thun gewiß wäre, daß es vor ihm recht wäre. Denn, wo je-mand etwas thut, wo Gottes Wort nicht zuvor aufgegeben ist, dasgilt vor Gott nicht und ist verloren. Denn er verbeut auch im Z.Buch 4, 2; 12, 32, daß sie nichts sollen zuthun zu seinen Gese-tzen; und im C. 12, 8. spricht er, sie sollen nicht thun, was sierecht dünckt. Auch der Psalter und alle Propheten drob schreyen,daß das Volck gute Wercke thät, die sie selbst erwählten, undvon Gott nicht geboten waren. Denn er will und kanns nichts lei-den, daß die Seinen etwas vornehmen zu thun, das er nicht befoh-len hat, es sey, wie gut es immer seyn kann. Denn Gehorsam istaller Wercke Adel und Güte, der an Gottes Worten hanget.
12. Weil denn nun diß Leben nicht kann ohne ausserlichenGottesdienst und Weise seyn, hat er ihnen vorgelegt solche man-