Eapltel 6. 247
Amts, und lehret, was das Amt sey. Das Amt lehret, daß siesollen seyn geistlich, und wenn sie geistlich seyn, daß sie thun,was den Geistlichen zugehöret. Was ist aber anders, geistlichseyn, denn seyn ein Sohn des Heiligen Geist? Der Heilige Geistist ein Tröster, Joh. IS, 26., ein Vorsteher, Vorsprecher, Rom.8, 26., welcher uns beystehet vor Gott,' wenn uns unser Gewis-sen anklaget, und tröstet uns, gibt ein gut Zeugniß der Gewissen,und des Vertrauens in die Barmhertzigkeit Gottes, mit dem, daßer uns entschuldiget, schmälert und verdecket unsere Sünde, undentgegen wiederum groß machet den Glauben und unsere guteWerckc. Und die also dem Heiligen Geiste nachfolgen in den Sün-den der Menschen, in dem, daß sie den Nahesten auch entschuldi-gen, seine Ehre retten und beschützen, sind auch geistlich.
Herwiederum wird der Satan ein Lasterer, Schander, Nach-reder, Ehrendieb genannt, Offenb. 20, 9. 10. Denn er nicht al-lein uns beschuldiget, und die bösen Gewissen vor Gott groß ma-chet, sondern er schändet auch das Gute, und lästert unser Ver-dienst und Glauben des Gewissens. Und dem folgen nach, die inden Sünden der Me.-.schen einen Wohlgefallen haben, welche dieSünden der Menschen mehren, grössern, bessern, dicker und schwe-rer machen, immerzu etwas hinzu setzen, und die ausbreiten un-ter viele, daß ja lautbar und berüchtig gnug werde, die gutenWercke aber desselben schmälern sie, als fast sie können, scheltenund verdammen dieselben.
So unterweiset ihn mit sanftmüthigem Geist.
Es saget wohl St. Gregorius, daß die wahre Gerechtigkeithabe Mitleiden, die falsche aber Verdrieß und Zorn. Also auchChristus, Luc. 9; da Johannes und Jacobus wollten, dem Exem-pel Heliä nach, Feuer vom Himmel über die Samaritaner ruf-st», daß sie Christum nicht wollten behausen, bedrauet er sie undsprach, S4. SS. S6: Wisset ihr nicht, welches Geistes Kinder ihrstyd? Des Menschen Sohn ist nicht kommen, der MenschenSeelen zu verderben, sondern zu erhalten:c. Das lehret auchPaulus, Rom. IS, 1. also: Wir aber, die wir starck sind, sollentragen der Schwachen Gebrechlichkeit, und nicht einen Gefallenan uns selber haben.
Mercke doch auf die Scham und Massigkeit des GeistesPauli. Er nennet die Sünder und Sünde Gebrechlichkeit, Schwach-heit und Schwache, die vielleicht ein rauher Werckheiliger, oderein frecher Ketzermeister, (wie sie denn fast schnell sind, zu ver-dammen und die Leute zu verbrennen) Ketzereyen oder Sünde in