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Capitel 6.
t. Lieben Brüder, so ein Mensch etwa von einem Fehl über-eilet würde.
er Apostel verwandelt die Zahl bald, und saget völlig hinaus:Sehet aus euch selbst, daß ihr nicht auch versuchet werdet. Eshat viel eine grössere Kraft, wenn die Rede zu einem allein wirdgewandt und einen jeglichen insonderheit anredet. Das ist für-wahr auch eine nützliche Lehre, und wunderlich von dem Apostelgetemporiret, damit er desto das die Liebe in ihnen formiret.
Zum ersten, nennet er sie Brüder, vielmehr aus einer freund-lichen und sanften Vermahnung, als einer, der etwas bittet vonden seinen, denn aus Gewalt, als gegen den Niedrigen und Un-terworfenen. Darnach: so ein Mensch; er spricht nicht, so einBruder aus menschlicher Schwachheit (denn wir seyn Menschen,)fehlet?c., und zeiget eben durch das Wort an, mit was Augenwir sollen sehen anderer Leute Fehler und Sünde, nemlich mitden Augen des Mitleidens und Erbarmung, und sollen allewegeschneller nnd geschickter seyn, etwas unterzudrücken und verdeckenhelfen, weder ausbreiten und offenbar machen. Denn das ist einWerck des Teufels und der Ehre Abschneider; das erste aber ge-höret zu dem Geist und den Geistlichen.
Er spricht: übereilet würde, das ist, wenn einer unvorsich-tiglich gestrauchelt hatte, in welchem er gleichfalls lehret, die Sündedes Nahcsten zu geringern und schmälern. Wo jemand nickt of-fenbar, aus verstockter Bosheit, und ohne alle Besserung sündi-get: so gehöret uns zu, daß wir das nicht zuschreiben seiner Bos-heit, sondern der Unachtsamkeit, oder auch seiner Schwachheit.Wie denn der heilige Bernhardus seine Brüder lehret, daß, wenneiner seines Bruders Sünde mit keinerlei) Weise könnte entschul-digen, doch soll er aufs wenigste sagen, daß es wäre eine grosseund unüberwindliche Versuchung gewesen, durch die er übereiletund überfallen wäre worden. In einem Fehl (denn es ist garleichtlich, daß einer falle). Er saget nicht: in einer Bosheit, undbrauchet aber ein geringe Wort, sintemal wir die Sünde gerin-ger nicht mögen nennen, denn ein Fallen oder Fehler.
Die ihr geistlich seyd.
Ein wunderlich Wort, das zugleich einen vermahnet seines