242 Capitel 5-
Keuschheit müssen verstehen, sondern auch in essen und trincken.Derohalben ihr Sententz begreift die Keuschheit und Mäßigkeit;darum auch Paulus der Eheleute frechen Geil und Kützel hierzähmet, daß sie sollen keusch und mäßiglich leben und mit Mä-ßigkeit des Fleisches Geilheit temperiren.
23. Wider solche ist das Gesetz nicht.
Er gedencket der vorigen Disputation, saget immerzu vondem Gesetz, das nicht gerecht machet die, so darein ihr Vertrauensetzen. Also 1. Timoth. 1, 9: Dem Gerechten ist kein Gesetz ge-geben, sondern den Ungerechten und Ungehorsamen, den Gottlo-sen und Sündern, den Unheiligen und Unreinen, den Vatermör-dern und Muttermördern, den Todtschlägern, den Bulern, denKnabenschändern, den Menschendieben, den Lügnern, den Mein-eidigen :c. Die aber solche sind, wie Paulus oben (i8.) gesagt,dürfen des Gesetzes nicht. Was wenden sich denn nun die Gala-ter wiederum zum Gesetz, nickt allein der Zehen Gebote, sondernauch der Ceremonien? Denn du siehest, daß der Apostel nicht al-lein von dem ceremonialischcn Gesetz, sondern vornehmlich vondem sittlichen redet.
Da redet Paulus abermal aus seine Weise; darum hütedich, daß dich nicht ein thörichter Verstand verführe, eben alswäre unnöthig, daß der Gerechte nicht recht soll leben, und Gu-tes thun. Denn also verstehen es die Groben und nicht wohlKlugen, nicht unter dem Gesetz seyn, sondern der Gerechte hatdarum kein Gesetz, denn er ist dem Gesetz nichts schuldig, nerv-lich als der, der die Liebe hat, die das Gesetz thut und erfüllet.Eben wie das Exempel Augustini anzeiget: drey und sieben sollennicht zehen seyn, es seyn schon zehen, und ist zu dem kein Gesetznicht zu suchen, daß zehen sollen werden. Also, ein aufgebauetHaus soll nicht gebauet werden; denn es ist schon durch die Kunstdes Werckmeistcrs zubereitet und erbauet. Also ein Gerechter, dersoll nicht wohl leben, sondern er lebet schon wohl, und darf kei-nes Gesetzes darzu, das ihn lerne wohl leben. Also, eine Jung-frau soll keine Jungfrau seyn, dieweil sie vormals schon eine ist,und wenn sie suchcte irgend durch ein Gesetz, eine Jungfrau zuseyn, wäre sie nicht thöricht und toll? Aber ein Gerechter, dersoll gerecht und heilig leben; denn er leber nicht recht, wie dasGesetz haben will. So dringet nun Paulus allein dahin, daß siesich nicht falsch vermessen, durch das Gesetz und seine Wercke ge-recht zu werden, sondern, daß sie durch den Glauben empfingen