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9 (1828)
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Capitel 5.

wahret die Liebe gegen dem Nächsten, wenn der Nächste uns be-schädiget und verfolget. Sonst ist fast keine andere Lugend derHeucheley naher, denn die Liebe, also fast, daß auch der Apostelallen Fleiß fürwendet zu den Rom. 12, 9., daß die Liebe nichtgefarbet und ohne Heucheley sey. Denn Gott hat gar viel Lieb-haber, die in den Psalmen hin und wieder beschrieben werden;Pf. 49, 19: Er dancket dir, Herr, wenn du ihm wohl thust.Und Psalm 78, 36: Sie haben ihn lieb gehabt in ihrem Munde,und mit der Zunge haben sie ihm gelogen. So liegt nun dieLiebe verborgen in Friedenszeiten, wenn die Sache wohl stehet;aber im Streite und widerwärtigen Tagen wird nichts kräftigli-chers gefühlet, denn eben die Liebe, die Hoffnung, und der Glau-be, es sey denn, daß sie nicht auch Verzweifelung, Mißtrauen undHaß empfinden.

Die andere Frucht ist die Freude; die ist eben, wie die Lie-be, in Gott und dem Nächsten. In Gott ist sie, wenn wir vonder gottlichen Barmherhigkeit fröhlich seyn, auch mitten in denUngestümigkeiten und Widerwärtigkeiten der Welt, wenn wir lo-ben und wohlsprechen dem Herrn, auch in dem Backofen desFeuers, Tag und Nacht, Dan. S, S1. In dem Nahesten ist sie,wenn wir ihm seiner Güter halben nicht mißgünstig und neidischseyn, sondern Freude mit ihm haben, eben als waren sie unsereigen, und loben die Gaben Gottes in ihm.

Die dritte Frucht ist der Friede; und der ist auch zwiefach,in Gott und dem Nächsten. In Gott ist er; denn er machet eingut Gewissen den Menschen, und gründet sich auf die Barmher-higkeit Gottes; aber er übertrifft zuweilen alle Empfindlichkeitund Sinnlichkeit, wenn er betrübet wird, und sich Gott verbirget,und sein Angesicht abwendet, und die Gewissen ihm selbst läßt.In dem Nächsten, wenn seinem Willen gewichen wird. Denn derFriede mag unter den Menschen nicht bestehen, so ein jeder seineSache schützen und gerecht haben will, und suchet oder hadert.Wie denn jetzt das Gerichthaus zu Rom die Christliche Gemeindegar gefullet und überschüttet hat mit Hader, Zanck, Handeln.Derweilen lassen sie sich begnügen an einem kleinen Stückleindes Friedens, mit welchem sie mit den ihren übereinkommen, undmachen ihnen selbst einen Deckel der Schalckhcit, daß sie alsonichts weniger schätzen, denn daß sie sollten in den Wercken desFleisches ersaussen und versencket seyn, die heiligen Leute. Dennsie nehmen deß nicht acht, mit wie Grossen sie in Zwietracht ste-hen, sondern mit wie Grossen sie zufrieden sind, und sind bereit,