Capitel 5, 239
Glaubens hören; und wenn sie es gehöret, glauben, und imGlauben Gott anrussen; und wenn sie anrussen, daß sie erhöretwerden; und nachmals, wenn sie erhöret sind, den Heiligen Geistempfangen, im Geist wandeln, und die Lüste des Fleisches nichtvollbringen, sondern dieselbigen creutzigen; und wenn sie solchegecreutziget haben, zuletzt mit Christo ewiglich regieren und dasReich Gottes besitzen.
22. Die Frucht aber des Geistes ist Liebe, Freude, Friede,Langmuth, Freundlichkeit, Gütigkeit, Glaube, Sanft-muth, Keuschheit.
Der Apostel setzet die Früchte des Geistes entgegen den Wer-cken des Fleisches. So wird auch Geist allster nicht genommenfür den Heiligen Geist, sondern für den geistlichen Menschen: daßgleich die Zwey gegeneinander gesetzt werden, die Wercke des Flei-sches, und Frucht des Geistes. Das Fleisch ist ein böser Baum,traget nichts, denn Disteln und Dörner; der Geist aber ist einguter Baum, und bringet hervor Weintrauben und Feigen, alsMatth. 7, 16., dieweil Ambrosius auch saget, daß das Gesetz desGeistes die Dinge wircke. Und St. Hieronymus, da er einmalwieder zum Wege kommet, legt er den Geist auch aus für denguten Baum. Item, so nennet Paulus die Werckc des Fleischesnicht Früchte, und die Früchte des Geistes nicht Wercke. Warumthut er das? Nemlich, daß die Wercke des Fleisches niemandnütze seyn, (Denn wer kann unnutzbarliche Disteln und Dörnerbrauchen?) sondern sie sind böse Wercke, die allein Schaden bringen.
Aber die Früchte des Geistes sind nütze, und man kann ih-rer gemessen ewiglich, dieweil sie sind Weintrauben und Feigen,nemlich die Verheissungen des Erdreichs; darum sie Paulus rechtmit dem Namen der Frucht nennet.
Die erste Frucht ist die Liebe, von welcher oben (14.) gesagtist, daß sie nicht sey wie eine verborgen liegende Qualität, son-dern, wie Augustinus saget vom Glauben, daß ein jeder denselbi-gen gewißlich siehet, so er ihn anders bat. Also fühlet er auchgewißlich, ob er die Hoffnung habe, so er sie bat, und also spüreter auch die Liebe, so er sie hat, auf das gewisseste, sonderlich zurZeit der Versuchung. So ist nun die Liebe eine süfse Bewegunggegen Gott, der da zürnet, und gegen den Nächsten, der uns be-schädiget hat. Sintemal alsdenn erst recht die Liebe gegen Gottbewährt wird, wenn Gott zuschlägt und alles betrübet, wie erdenn in den lieben Märtyrern das hat lassen sehen und in Cbri-sti, seines einigen SohnS, Leiden. Alsdenn wird aber auch be-