Capitel 5. 237
nannt, oder vlzscoenits5; welches auch gehöret zu den Sitten,Geberden, und Worten.
Das vierte Laster ist, Abgötterey, auch sehr wohl bekannt;aber jetzund ist schier kein gröber Laster, denn dieses, welches auchunter den Heyden gemein war. Aber doch gleichwol die Menschen,die ihren Bauch zu einem Gott haben, und die geitzig seyn, seynauch nach der Lehre des Apostels abgöttisch. Es sind auch alleSchmeichler abgöttisch, alle Hoffartigen, und alle, die sich großerheben und berühmen in den Menschen, oder in ihnen selbst,oder andern. Also sind jetzt zu unsern Zeiten nicht wenig FürstenAbgötter.
Das fünfte Laster ist Zauberey, welches jetzt fast wachsetund überHand nimmt. Hieronymus nennet das Laster die schwacheKunst. So verstehet nun der Apostel alda die schwachen Künst-ler, Zauberer, und die mit Segen umgehen, und alle andere, sodurch des Teufels Hülfe andere Leute betrügen, oder Schadenthun, und stehlen ihrem Nahesten. So wird offenbar auch ausder Bezeugniß des Apostels, daß die Zaubereyen etwas sind undschaden mögen, welches viele nicht glauben wollen.
Das sechste Laster scheinet zu seyn Feindschaften, Hader undheimlicher Haß.
I.itcs hat unser Text, contentiones, das ist Hader, Grie-chisch: ist das Werck der Feindschaft.
lklxge, das ist Zanck, wenn einer zu widersprechen sich gerü-stet hat, und eine Lust hat an anderer Leute Zorn, und reihetauch den Nahesten mit weiblichem Zanck zu hadern. Das allesmag man das aus den Personen zweyer Widersacher vermercken,denn mans beschreiben kann.
Das siebente ist, sauffen und voll seyn, welches nicht alleinim Wein, sondern in llen andern Geschlechten des Trancks ver-boten wird. Daher stehet Luc. 1, 15: Wein und starckGetranckewird er nicht trincken; Liceram, das ist alles, was truncken ma-chet. Die Enthaltung vom Wein, oder der Abbruch und die Nüch-ternheit wird an mancherley Enden in der Schrift hoch gepreisct.Aber herwiederum, was die Trunckenheit ausrichtet, mag manwol auch sehen aus mancherley Historien der heiligen Schrift,nemlich in Noe und Loth, l. Mos. 9, 2l. 19, 33. '35., welcherTrunckenheit, ob sie wol ohne ihre Schuld ist geschehen, so istsie doch nicht ergangen ohne das Uebel und Schaden andererLeute. Daher Christus, Luc. 21, 34., uns hoch vermahnet undspricht: Hütet euch, daß eure Hertzen nicht beschweret werden