236
Capitel 5.
chcn den Lüsten des Geistes, dieser Streit und Fleiß (welcher un-ser gantzes Leben ist) machet, daß Gott barmhcrtziglich verzeihet,daß wir die Dinge nicht thun, die wir gerne wollten; denn wirseynd noch nicht Geist, sondern werden gefübret durch den Geist.Denn Joh. 3, 6: „Das geboren ist aus dem Geist, ist Geist",zeiget an, was wir seyn sollen, hier aber, was wir jetzt seyn. Wirsollen Geist seyn, wir sind aber noch ip des Geistes Führen undLeiten, und, daß ich also sage, in der Formirung des Geistes.Die aber noch unter dem Gesetz sind, die sind in den Werckendes Fleisches; also Rom. 7, 3- Da wir im Fleisch waren, dawaren die sündlichen Lüste, welche durchs Gesetz sich erregten, ge-waltig in unsern Gliedern, dem Tode Frucht zu bringen. Alsoauch Rom. 8, 14: Die der Geist Gottes treibet, die sind GottesKinder. Denn das Führen und Treiben ist nichts anders, dennziehen, von welchem Joh. 6, 44: Es mag niemand zu mir kom-men, es sey denn, daß ihn mein Vater ziehe; item, 12, 32: Soich werde erhöhet werden, so werde ich alle zu mir ziehen, dasist, ich werde sie süßiglich bewegen, und werde sie fröhlich undwilliglich machen und werde in ihnen erwecken des Geistes Lüste,welche Moses und das Gesetz traurig und unwillig gezwungenhat, oder wie die Kinder mit zeitlichen Berheifsungen gelocket.
19. 20. 2t. Offenbar sind aber die Wercke des Fleisches, alsda sind, Ehebruch, Hurerey, Unreinigkeit, Geilheit, Ab-götterey, Aauberey, Feindschaft, Hader, Eifer, Zorn,Zanck, Zwietracht, Secten, Haß, Mord, Sauffen, Fres-sen und dergleichen.
Der Apossel setzet nicht jeglichen Wercken insonderheit ent-gegen ihre Früchte, sondern vermischet eine vielen, und viel vielen.Als, die Liebe und Freude setzet er entgegen der Hurerey, Geil-heit und Unreinigkeit, die da seyn verkehrte Wohllust und ver-kehrte Freuden. Den Friede, Geduld, Langmuth, Freundlichkeitund Gütigkeit setzet er entgegen den Feindschaften, Zancken, Krie-gen, Hadern, Zorn ?c., den Glauben den Secten und Abgötte-reyen, die Keuschheit aber dem Sauffen und Fressen.
Das erste Laster ist der Ehebruch, fast wohl bekannt.
Das andere die Hurerey, in welcher St. Hieronymus be-greift alle andere unordentliche und unflatige Wohllüste.
Das dritte ist, die Unreinigkeit, und die, wiewol sie St. Hie-ronymus auch ausgebreitet hat, zu dem ehelichen Uebertreten: sowird sie doch Griechisch das ist, l^ascivig. Geilbeit ge-