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9 (1828)
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Capitel 5.

und Ehre der Gnaden Gottes, daß sie uns hat gemacht uns selbstzu Feinden. Denn sie überwindet also die Sünde, wie Gideonüberwand die Midianiter, mit einem sehr herrlichen Triumph,daß ein Feind den andern erwücgete. Nicht. 7, 22, 23.

Also gehet es auch mit dem Wasser zu, das in den Weinwird gegossen. Zum ersten stellet es und streitet wider den Wein,bis so lange es verschlungen und auch Wein wird. Also auch dieGnade, wie oben gesagt ist. Der Sauerteig wird verborgen indrey Scheffel Mehl, bis daß er den gantzen Teig durchsauere.Matth. 13, 33.

Dieselben sind wider einander, daß ihr nicht thut, wasihr wollet.

Siehe, lieber, wie ist Paulus so trotzig, und fürchtet sichnicht vor das Feuer, da er den freyen Willen leugnet, welchesgar wunderlich und ungewöhnlich ist in unsern Ohren. Er saget,daß das nicht möge geschehen, das wir gerne wollten, so wir dochden Willen haben aufgestellt (nach der Lehre des Aristotelis), unddieser Irrthum und allergrößte Ketzerey St. Pauli wäre leidlichgewesen, wenn er das allein hatte gesaget von denen, die ausser-halb der Gnade seyn. Nun aber, daß er ja keine Entschuldigunghabe, und müsse verbrannt werden, sagt er das auch von denen,die in dem Geiste der Gnaden leben. Und eben das sagt er auchRom. 7, 14. 15: Wir wissen, daß das Gesetz geistlich ist, ichbin aber fleischlich, unter oer Sünde verkauft; denn ich weißnicht, was ich thue, denn ich thue nicht, was ich will, sonderndas ich hasse, das thue ich. So der Gerechte und Heilige alsoklaget über die Sünde, wo will der Sünder und Gottlose blei-ben mit seinen Wercken, von dem Geschlecht der Guten, und diesittlich gut seyn? Die Gnade Gottes hat noch nicht vollbrachtden freyen Willen, und er will sich selbst frey machen; was istdas für eine Unsinnigkeit?

Es ist nun genugsam gesagt von dem Unterscheid des Gei-stes und Fleisches. Es mag keines das andere in dem Leben garausrotten und vertilgen, obgleich der Geist das unwillige und wi-derstrebende Fleisch zähmet und ihm es unterwirft, aus welchemfolget, daß sich niemand berühmen mag, daß er ein rein Hertzhabe, oder gar rein sev von Unflath. Denn mein Fleisch thutnichts, welches ich nicht selbst thäte. Ist aber nun das Hertz be-flecket oder unrein, so folget das auch jetzt, daß das Werck unreinmuß seyn. Denn wie der Baum ist, also sind auch die Früchte.Welches ich abermal sage wider die tollen Sophisten, die in ih-