Capitel 5-
Fleisches oder Geistes ist der Unterscheid nach dem Paulinisch«;Verstände, daß: thun die Lüste des Fleisches, ist, gekützelt und be-weget werden davon, es sey zum Zorn, oder Unkeuschheit; aber:vollbringen, Heisset ihnen verwilligen, und dieselbigen erfüllen; unddas find die Wercke des Fleisches. Aber dieselbigen weder habennoch thun, geschiehet erst nach der Anzeige des H. Augustini,wenn wir kein sterblich Fleisch mehr haben werden. Daher sagter, daß alle Heiligen noch zum Theil fleischlich seyn, wiewol sienach dem innerlichen Menschen geistlich sind. Also, die Begierdedes Geistes begehret die Liebe selbst, daß sie nicht möge begehrennach dem Fleisch, vollbringet es aber nicht; denn sie kann undmag ohne die Begierde der Lüste des Fleisches nicht seyn. Unddaß ich das den Leser auch erinnere, nennet Paulus die Lüste desFleisches nicht allein die Unkeuschheit, sondern alle Wercke, wie erdenn bald erzählen wird.
Aus welchem allen offenbar wird, was doch ein ChristlichLeben sey, nemlich Versuchung, Streit und Kampf, und wie diezu unterweisen seyn, die mit mancherley Püffen und Stössenwerden angerannt, daß sie nickt verzweifeln, wenn sie fühlen, daßsie noch nicht gar entledigt sind von böser Neigung, waserleySünde es sey. Also Rom. 13, 14: Tbut nickt nach des FleischesKlugheit, seine Lüste zu büssen; und Nöm. 6, 12.- Die Sündesoll nicht regieren in eurem sterblichen Körper, daß ihr gehorchetseinen Lüsten. Ohne böse Lüste kann niemand seyn-, aber densel-bigen nicht verwilligen und gehorchen mögen wir wol.
17. Denn das Fleisch gelüstet wider den Geist, und den Geistgelüstet wider das Fleisch.
Eben wie der Geist alda nicht allein wird genommen fürdie Keuschheit: also ist vonnöthen, daß auch das Fleisch nicht al-lein Unkeuschheit bedeute. Das sage ich aus Nothdurft, daß die-ser alte Brauch fast hat eingerissen bey allen, daß die Lust desFleisches wird allein genommen für die Unkeuschheit, in welchemBrauch der Apostel nicht recht verstanden wird. Diesen Sentcntzhandelt er Rom. 7, 22. 23., mit vielen Worten auf die Weise.-Ich habe Lust an Gottes Gesetz nach dem innwendigen Men-schen; ich sehe aber ein ander Gesetz in meinen Gliedern, das dawiderstreitet dem Gesetz in meinem Gemüthe, und mich gefangennimmt in der Sünden Gesetz, welches ist in meinen Gliedern.
Ich scheide das Fleisch, die Seele, den Geist gäntzlich nichtvon einander (denn das Fleisch kann und mag keine Lust haben,denn allein durch die Seele und den Geist, dadurch es lebet), son-