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9 (1828)
Entstehung
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Capitel S-

Man gehet von einer Dienstbarkeit in die andere, von einer Frey-heit in die andere. Das ist so viel: von der Sünde zu der Gnade,von der Furcht der Strafe zu der Liebe der Gerechtigkeit, vondem Gesetz zu der Erfüllung des Gesetzes, von dem Wort zudem Ding selbst, von der Figur zu der Warhrheit, von dem Zei-chen zu der Substantz, von Mose zu Christo, von dem Fleisch zudem Geist, von der Welt zu dem Vater; alle diese Dinge ge-schehen zugleich mit einander. Dieweil aber der Apostel das Ge-setz nennet Summa Summarum aller Gesetze: so werden in die-sem einigen Capitel der Liebe alle andere verfasset, wie es Hiero-nymus übersetzet; müssen wir alhier ein wenig verharren und die ^Worte weiter ausstreichen.

Zum ersten, wie viel sind ihrer doch wol, die beschreiben,was zu reden sey, zu thun, zu lassen, was zu leiden sey, zu ge-dencken, nemlich, dieweil unzahlig viele Dinge sind, die unterden Menschen von einem gegen den andern geschehen mögen,mit so viel Sinnen, so viel Gliedern, so viel Gegenwürfen undmit so viel Fallen: also, daß kein Ende noch Maaß ist, Gesetz-bücher zu machen. Denn wie viel Gebote darf allein die Zunge,damit sie gezahmet werde. Wie viel darnach die Augen? Wieviel die Ohren? Wie viel die Hände? Wie viel der Geschmack?Wie viel das Greiffen? Nachmals, wie viel Gebote darf woldas Haus haben? Wie viel die Freude? O wie viel kriechendeThiere seyn das, deren keine Zahl nicht ist. Glaubest du dasnicht, so siehe doch nur an das unsägliche und betrügerische Lm-cllum der aufgeblasenen Juristen, so wirst du bald auf die Wahr-heit kommen.

Aber das Gebot von der Liebe, wie gar kurtz, wie schnell,wie kräftiglich verfasset es alle Dinge, und wendet die Hand zudem Haupt, zu dem Brunnen und der Wurtzel aller dieser Dinge,nemlich zu dem Hertzen, von welchem, nach dem weisen Mann,Sprüchw. 4, 23, fliesten und ausgehen das Leben oder der Tod.Sintemal unter den Wercken des Menschen sind einige mehr in-nerlich, andere mehr äusserlich: doch ist keines, das mehr inn-wendiger ist, denn die Liebe, über welches keines heimlicher istund erfunden wird in dem Hertzen des Menschen. Wo nun dieLiebe wird aufgerichtet, so dürfen jetzt alle andere Glieder keinesGebots. Denn alle andere gute Wercke fliessen aus der einigenLiebe.

Nun wollen wir die übertrefflichen Worte nach einandersehen. Zum ersten beschreibet er die alleredelste Tugend, nemlich